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Netflix in der Schweiz?

1'622 Antworten252'885 AufrufeGestartet von Noel ·

Zusammenfassung der Erfahrungen: Netflix Schweiz — was Mitglieder in diesem und weiteren Themen berichten.

roku732'920 Beiträge
#901
Heute Abend Netflix gestartet, und oh Wunder, alles gleich in de besten Auflösung. Kannte ich die letzten Tagen gar nicht mehr bei UPC. Haben sie etwa schon reagiert auf die Negativpresse, oder einfach nur Zufall?

Wohl doch Zufall, eine Serienfolge später lahmt es schon wieder...

MichelZ672 Beiträge
#902
Zufall. Gestern abend gings jedenfalls noch nicht... dauernd runtergeschaltet

MichelZ672 Beiträge
#903
Hehe, zufällig grad eine Umfrage von der lieben up cablecom bekommen (sie wissen selber noch nicht das sie umgetauft wurden, "Freundliche Grüsse, Ihre upc cablecom".

Habe da das Netflix Thema angeschnitten.

MichelZ672 Beiträge
#904
https://www.fiber7.ch/de/fiber7-news/wenn-netflix-stottert/

Sehr Lesenswert und kommt aller Wahrscheinlichkeit der Ursache am nächsten 🙂

Waudiz570 Beiträge
bearbeitet #905
Auch die mirror waren/sind teilweise bei Providern gehostet. Verstösst dies jetzt genauso gegen die Prinzipien der Netzneutralität?


Unproblematisch war/ist es sicher auch das nicht. Es hat aber vermutlich niemanden wirklich gekratzt, weil es kaum für jemanden spürbare Nachteile brachte. Wenn eine Datei schneller runtergeladen ist, ist das angenehm. Aber eine langsamer ladende Datei erfordert "nur" mehr Geduld, ist aber nachher genauso nutzbar wie eine schnell geladene. Beim Streaming ist das anders: Wenn hier die Daten nur tröpfeln, dann war es nichts mit dem Filmgenuss. Eine langsame Leitung bringt hier also erhebliche Nachteile, da sie keine Nutzung des Dienstes im Sinne des Dienstanbieters erlaubt.

Nun ist es Usus, dass ich für Hosting bezahlen muss, und zwar je nach Datenmenge, Geschwindigkeit, Sicherheit, etc. Wenn ich mir also den Luxus leisten will, dass möglichst viele Leute meinen Content unterbrechungsfrei streamen bzw. in hoher Geschwindigkeit laden können, muss ich halt entsprechend viel für die nötigen Mirroring-Leitungen bezahlen, so dass ich es zu meinen Kunden, wo auch immer diese sind, nie weit habe. Weshalb sollte das anders sein, nur weil mein Hoster im Zweitberuf auch noch Internetprovider ist? Nur weil ich UPC oder Swisscom heisse, darf ich nichts verlangen dafür, dass ich eine Auffahrt auf die Datenautobahn biete, die äusserst attraktiv ist, da sie kurze Wege zu den Kunden bietet, die erst noch praktisch staufrei befahren werden können? Daran, dass ich die Autobahn benutzen will, ändert auch nichts, dass ich dies mit dem eigenen statt mit dem beim ISP gemieteten Auto tun will.

Meines Erachtens entsteht durch solche Deals, wie Netflix sie anstrebt, eine Marktverzerrung. Eine, die vielleicht zahlreichen Kunden willkommen ist, deswegen aber trotzdem Marktverzerrung bleibt. Ich kann die ISPs verstehen, die hier nicht mitspielen wollen, und ich kann den Erpressungsvorwurf an die Provider nicht nachvollziehen. Wenn ich nicht bereit bin, die Autobahngebühr zu bezahlen, dann muss ich halt auf nicht kostenpflichtigen Strassen fahren und die Folgen davon in Kauf nehmen (langsameres Vorankommen). Klar, am liebsten würde ich mir vielleicht meine eigene Autobahn bauen. Aber so wie das mit den Strassen nicht funktioniert, klappt es eben auch bei den Datenautobahnen nicht.

MichelZ672 Beiträge
#906
Ich bin absolut dafür dass alle Daten durchaus gleich ankommen und für die Netzneutralität. Wenn jetzt aber Provider ihr Netz entlasten möchten durch Cache Server (und dadurch das Erlebnis für die User sogar noch verbessern), dann finde ich daran eigentlich nichts verkehrt...

Zusammenfassend von mir:

- Peering gut (es ist das prinzip des Internets!)

- Packete sollten nicht priorisiert werden, es sollte genügend Kapazität für alle vorgehalten werden (siehe punkt 1)

- Cache Server sind dafür da das Netz zu entlasten, und haben aus meiner Sicht nichts direkt mit der Netzneutralität zu tun. (Zur erinnerung: Init7/Fiber7, bekennende befürworter der Netzneutralität haben diverse Cache-server im Einsatz!)

doom2'266 Beiträge
bearbeitet #907


Meines Erachtens entsteht durch solche Deals, wie Netflix sie anstrebt, eine Marktverzerrung.
Was für Deals? Cache Server ins Netz der Provider? Die haben die finanzielle Kapazität, ein neuer Anbieter hätte sie nicht, also ist das durchaus ein bisschen ungerecht. Aber, es ist ja nicht so dass Swisscom und UPC nur diese Möglichkeit ablehnen.. sie bauen auch ihr Peering nicht aus und verlangen von Netflix Monopolpreise für den störungsfreien Zugang zu ihren Kunden (das ist ein Monopol.. wenn Daten zu Swisscom Kunden gehen müssen die durchs Swisscom Netz). Das ist ganz einfach moderne Weglagerei. Und ein Schelm ist wer denkt das habe nix damit zu tun dass die betroffenen Provider alle ein eigenes Angebot hat das in Konkurrenz zu Netflix steht (man könnte Netflix durch einen beliebigen anderen Dienst ersetzen... dasselbe gab es schon bei Zattoo... seinerseits auch ein Dienst in Konkurrenz zum Angebot der Swisscom).

Und dein Autobahnbeispiel ist mit Verlaub nur lächerlich. Die Gebühr kostet 40.- im Jahr... der Preis steht in keinem Verhältnis zu dem was man dafür kriegt. Würden Swisscom und UPC privates Peering zu symbolischen Preisen bieten, wäre das alles kein Thema. Da sie aber Monopolpreise verlangen (ein Vielfaches des Marktpreises... also Tausende wenn nicht Zehntausende von Franken für die jährliche Autobahngebühr) macht dein Vergleich null Sinn.
Waudiz570 Beiträge
#908
@Doom: Auch schon mal in IT, FR, ES, etc. auf der Autobahn unterwegs gewesen? Dort ist es so, je mehr du fährst, desto mehr kostet es auch.

Wir würdest du denn dein Netz finanzieren wollen? Ab dem Punkt, wo die Daten wirklich auf deinen Leitungen laufen, musst du irgendwie verdienen. Ansonsten kannst du dein Netz nicht unterhalten, geschweige denn ausbauen. Wäre die Lösung, einfach die Abopreise anzuheben? Das gibt ja wegen jedem Stutz einen Aufschrei, siehe auch hier im Forum. Und man kann bei allem Firmenbashing weder Swisscom noch UPC vorwerfen, sie bauten nicht ständig aus. UPC hat erst gerade auf 500 MBit/s Vmax angehoben und ist fleissig dran, ihr Netz zu erweitern, Swisscom hat die Speeds in den Vivo-Paketen erhöht und bietet eben nicht zuletzt Swisscom TV 2.0 an. Dessen Entwicklung war garantiert auch nicht gratis. Oder hätte eine Swisscom gar kein TV-Produkt entwickeln dürfen, um gar nicht erst auch nur die Möglichkeit zu haben, in einen Interessenkonflikt zu geraten? Was wäre dann bei UPC, deren traditioneller Dienst eben das TV ist? Sollen sie das abschalten und zum reinen Internet-Provider werden? Dann haben sie auch keinen Konflikt mehr in dieser Hinsicht.

UPC zum Beispiel lässt mich problemlos die browserbasierte Version von SCTV 2.0 schauen, da gibt es ja inzwischen sogar ein Gratisangebot. Da hatte ich noch nie das Gefühl, dass irgendwas geblockt oder verzögert wird.

MichelZ672 Beiträge
#909
Das Problem mit den Peerings ist anders gelagert. Solange beide Parteien die gleichen Datenmengen in das Netz des anderen speist haben die meisten eigentlich keine Probleme damit. (z.b. UPC <-> Swisscom, da darf man etwa die gleiche Menge erwarten).  Bei den reinen Content Providern wie Netflix sieht das ganze anders aus. Netflix hat nur Upload zu z.b. UPC und kaum Download. Hier wollen die Provider die Hand aufhalten. (ansonsten hätten sie schon lange zumindest ein Peering eingerichtet. Leider fehlen die grossen Provider an offenen Peering punkten wie z.B. dem SwissIX: https://swissix.ch/association/members, aber diese könnten ebenso auf einer privaten Peering platform wie der von Equinix kostengünstig die Netze zusammenschalten und uns benutzern das Leben einfacher machen.

doom2'266 Beiträge
bearbeitet #910
@Waudzi: Arbeitest du etws für einen der Angeschuldigten oder hast dort Aktien? Ich bin Aktionär von grossen Carriern (in CH und USA, inklusive der bekannten Netflix Bremser), aber nur fürs eigene Portemonnaie mach ich doch nicht die Augen zu. Wir sprechen hier von Peering.. die Kosten vom Peering sind komplett irrelevant im Vergleich zu den Kosten der letzten Meile. Als Nicht-Provider kann ich keine Offerte machen lassen, aber wenigstens zu IP Transit Preisen komme ich und da kostet ein 10Gig port am Equinix in Zürich z.B. $3200 im Monat. Vor kurzem hab ich auch mal in ner online Ad $2900 gesehen. Und wer die ADSL Kostenrechnung noch im Kopf hat wird sich erinnern.. es war damals schon nix im Vergleich zu der letzten Meile. 

Wenn du jetzt als Netflix sagst, okay wir bezahlen genügend Ports.. gibts die nicht zu diesem Marktpreis Preis.. sondern zu Mondpreisen weil Swisscom und UPC das Monpol haben was den Zugriff auf ihre Endkunden angeht. Und wie lernt man bereits in der ersten Woche Wirtschaftsunterricht - Monopole sind nicht gut und Regulierung ist gefragt damit wir die Marktverzerrung beheben können.

Um den offensichtlichen Interessenskonflikt der ISPs zu lösen braucht es Regulierung denn es geht hier um eine Monopolsituation. Ausserdem wurden die Netze zu Monopolzeiten aufgebaut (=> Wettbewerbsvorteil). Entweder zwingt man die PRovider fair zu spielen, oder man setzt den funktionierenden Markt komplett durch indem man Firmen komplett aufsplittet. Infrastruktur und Dienstleistung gehören bei der Telekommunikation eh nicht zusammen, vor allem bei (Ex)Monopolisten. Das gilt sowohl für Swisscom wie UPC, beide haben ein Netz aus Monopolzeiten. Wenn das Netz allen zu gleichen Bedingungen offensteht, kann der Markt es vielleicht sogar selbst regeln, aber so wie es ist, funktioniert das nicht. Aber Netzbesitzer und Anbieter von eigenen Diensten die in Konkurrenz zu OTT Diensten stehen, wir sehen ja zu was das führt.

Und freu dich nicht zu früh mit deinem SCTV air bei Cablecom.. wenn Swisscom das volle Programm anbieten würden, und dann alle Speedgeschädigten die nur bei Swisscom bleiben wegen dem TV Angebot, sofort zu UPC wechseln würden, aber TV immer noch bei Swisscom bezögen, dann würde es nicht lange gehen und dein SCTV stockt wenn du es übers UPC Netz schaust. Natürlich blocken sie nicht.. aber wenn das Peering zwischen den beiden nicht mehr ausgewogen ist, wird UPC die hole Hand machen, und wenn Swisscom nicht die UPC Mondpreise zahlt, dann hast du die genau gleiche Situation wie heute bei Netflix auf dem UPC Netz.

Und spielen wir mal das Gedankenexperiment durch dass die zwei grossen ihre TV/VOD Dienste auslagern müssten. Wenn dieser Dienst die gleichen Bedingungen erfüllen müsste wie es Netflix und Co. müssen würdest du in Zukunft zur Prime Time ne Standbildschau haben, oder mehr bezahlen müssen, oder es gäbe den Dienst gar nicht weil es finanziell nicht mehr aufgeht. Denn TV der extern kommt generiert nun mal Traffic den die 2 grossen nicht gewillt sind zu Marktpreisen anzunehmen. SCTV als unabhängiger Dienst hätte es kaum jemals gegeben. Einerseits wegen fehlender finanzieller Power (Swisscom zieht immer noch vom Vorteil aus der Monopolzeit.. sogar ganz massiv denn nirgendwo sonst ist der ex-monopolist auch nur annähernd so stark und die Regulierung so schwach wie hierzulande), andererseits wegen dieser Peering geschichte. Das Ganze ist ja nicht neu, Zattoo musste den Anbieter wechseln weil sie http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/machtkampf-um-den-verkehr-im-internet-1.18543510]damals von Init7 gehostet von Swisscom gleich behandelt wurden wie es momentan Netflix erfährt.

Waudiz570 Beiträge
bearbeitet #911
@Doom: Ich kann dich beruhigen, weder ich noch irgendjemand in meinem Umfeld hat Interessen bei irgendeinem Provider oder Inhalteanbieter.

Ich gebe dir in einigen Punkten, die du erwähnst, durchaus recht. Aber vieles ist in der Praxis doch einiges komplexer als auf dem Papier.

Z.B. dass Monopole nicht gut sind. Du darfst davon ausgehen, dass selbst wenn UPC und SC ihre jeweiligen Netzmonopole nicht hätten, Infrastruktur und Dienste 100% getrennt wären, sich unwillkürlich 2 bis 3 Big Player herausbilden würden. Dann gäbe es noch ein paar Nischenplayer, und das wär's dann. Unter diesen Voraussetzungen würde vermutlich bald einmal eine der heutigen Marktlage recht ähnliche Situation entstehen, vielleicht mit dem Unterschied, dass die Big Player andere Namen trügen.

Das hat verschiedene Gründe, die z.T. komplexe oder je nach Sichtweise auch wieder banale Ursachen haben, die u.a. auch psychologischer Natur sein können (etwa der Herdentrieb, Gruppendruck, Dazugehörigkeitsgefühl). Ich garantiere dir: Selbst wenn du heute den TK- und TV-Markt neu lancieren würdest, d.h. alle bestehenden Verträge werden überall gleichzeitig gekündigt, und jeder Kunde müsste sich bewusst für einen neuen Anbieter entscheiden, die bisherigen verschwänden komplett vom Markt. Neu hättest du 20 zur Auswahl mit je eigener Infrastruktur. Schon nach wenigen Jahren würdest du sehen, dass es wieder einen klaren Leader gibt und eine ebenfalls deutlich auszumachende Nummer 2.

Natürlich profitiert eine Swisscom bis heute vom ehemaligen Monopol. Natürlich tun das auch die verschiedenen Kabelbetreiber. Hier ist dann noch anzufügen, dass zwar (nicht nur in der Schweiz) beim ehemaligen Telefon-Monopolisten immer nach Netzöffnung geschrien wird, die Kabelanbieter bis dato aber verschont werden. Auch wieder so eine Marktverzerrung.

Bei allen Fehlern, überhöhten Preisen und fragewürdiger Produktpolitik (z.B. Bundles) von SC und UPC: Die Firmen machen auch vieles richtig, und es ist wohl nicht vermessen, anzunehmen, dass dies wesentlich zu ihrem grossen Kundenstamm beiträgt. Noch lange nicht alle, aber schon viele Kunden haben heute durchaus eine echte Wahl. Es ist nämlich keineswegs so, dass andere Anbieter, die es in der Hand hätten, alles besser zu machen, es auch tun. Ein Produkt wie SCTV 2.0 hätte der UPC selber in den Sinn kommen müssen, es ist ja ihre Stammdomäne, mit TV sind sie gross geworden. Stattdessen murksen sie seit Jahren mit ihrer Horrorizon herum. Was kleine Kabelnetze z.T. ablassen, diskutieren wir mit schöner Regelmässigkeit hier im Forum. Beispiele Improware oder früher auch Antesa. Ein anderes Beispiel, das ich relativ gut kenne, ist Kabelfernsehen Bödeli im Raum Interlaken. Die Produkte sind gegenüber UPC überteuert, und die schnellen Speeds von UPC gibt es gar nicht erst, auch nicht gegen noch mehr Geld.

Sicher mag man ins Feld führen, dass es ein Fiber7 und andere gibt. Diese müssen sich aber auch irgendwo von anderen unterscheiden, ansonsten gehen sie unter. Und ich verspreche dir, Fiber7 wird nie einer der ganz grossen Player werden, solange er kein Triple- oder gar Quadruple-Play bietet. Sicher: Wer Internet pur will, der ist da gut bedient. Aber derzeit liegen die Anbieter mit ihren Bundles nicht komplett daneben, was die Bedürfnisse vieler angeht. Selbst wenn es ein paar Franken günstiger ist, die verschiedenen Produkte von verschiedenen Anbietern zu beziehen, zeigen x Untersuchungen immer wieder, dass den Leuten die Bequemlichkeit und das Haben von nur einer Ansprechstelle auch etwas wert ist.

Es steht zudem noch auf einem ganz anderen Blatt geschrieben, wie sich die heute noch kleinen Anbieter verhalten würden, wenn sie einst die Grösse einer UPC/SC bekämen. Da muss plötzlich ganz anders gerechnet werden. Und es kommt hinzu, dass Grösse einem durchaus in den Kopf steigen kann. Google etwa hat heute ein Quasimonopol, hat aber mal klein angefangen, ich kann mich noch gut daran erinnern. Niemand hätte Google nutzen müssen, es gab andere Anbieter. Dieses gefühlte Monopol ist bei der Websuche durch die Benutzer quasi freiwillig gebildet worden, weil das Produkt einfach überzeugte und keiner wirklich dagegenhalten konnte. Seit Google die ursprünglichen Pfade verlassen bzw. massiv erweitert hat, sind sich aber nicht mehr alle sicher, ob sie ihrem eigenen Motto "don't be evil" wirklich noch konsequent nachleben. Ein anderes Beispiel sind die Social Networks. Es gab mal einiges an Konkurrenz, die aber bis auf Nischen verschwunden ist, weil Facebook vieles einfach besser gemacht hat und sich die grosse Crowd entsprechend dort zusammengefunden hat, wonach es dann mit den oben erwähnten Faktoren (Dazugehören, Gruppendruck, etc.) fast ein Selbstläufer wurde. Dito bei Whatsapp, bei denen noch dazukommt, dass sie die ersten am Markt waren, die von sich reden machten.

Ich gehörte zu den ersten, die damals bei der Festnetztelefonie auf Sunrise wechselten, als Ende 90er-Jahre liberalisiert wurde. Ich habe so ziemlich alle neuen Anbieter, die damals auftauchten, probiert. Aehnliches gilt für den Mobilfunk. Eine Orange etwa hat mich seinerzeit nicht damit madig gemacht, dass ihr Netz per se schlechter gewesen wäre. Damit musste man bei einem relativ neuen Player rechnen und auch ein gewisses Verständnis haben. Hässig gemacht hat mich vielmehr, dass sie mir eine Karte gegeben haben, auf der angeblich ihre Abdeckung genau eingezeichnet war. Alle für mich wichtigen Orte schienen darauf gut versorgt zu sein. Vertrag abgeschlossen, und dann gemerkt, dass die Praxis weit von der Papierform entfernt war, z.T. überhaupt kein Netz, wo ich besten Empfang hätte haben müssen laut ihrer Abdeckungskarte. Ihr Fehler war nicht das schlechte Netz, sondern die falschen Versprechungen, die zu einem Vertrauensverlust geführt haben bei mir.

Sorry, das ist nicht direkt eine Antwort auf die Peering-Geschichte. Ich will damit vielmehr sagen: Auch wenn die Sache mit den Monopolen sicher etwas hat, ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Ich habe nicht selten das Gefühl, viele Benutzer fänden es pfui, wenn jemand am Internet verdienen will. Alles soll allerhöchstens zum Selbstkostenpreis abgegeben werden. Dabei sagt man ja oft, das Internet sei ein Abbild der Gesellschaft. Und dort ist es nun mal so, dass Geld die Welt regiert. Warum sollte das auf dem Internet anders sein? Die Zeiten der Gratis-Webkultur sind weitgehend vorbei.

easypeacy422'068 Beiträge
bearbeitet #912
Sorry, das ist nicht direkt eine Antwort auf die Peering-Geschichte. Ich will damit vielmehr sagen: Auch wenn die Sache mit den Monopolen sicher etwas hat, ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Ich habe nicht selten das Gefühl, viele Benutzer fänden es pfui, wenn jemand am Internet verdienen will. Alles soll allerhöchstens zum Selbstkostenpreis abgegeben werden. Dabei sagt man ja oft, das Internet sei ein Abbild der Gesellschaft. Und dort ist es nun mal so, dass Geld die Welt regiert. Warum sollte das auf dem Internet anders sein? Die Zeiten der Gratis-Webkultur sind weitgehend vorbei.


Was hat denn das mit "Gratis-Webkultur" zu tun??

Ich bezahle - nebst Netflix für den Video-Service - der Swisscom jeden Monat eine fette Stange Geld, damit sie mein "Internet Service Provider" sind. Heisst, ich bezahle sie dafür, dass ich die Internet Inhalte nutzen kann. Mein Hausanschluss soll "best-effort" 50mbps Downstream leisten. Das tut er auch zur allermeisten Zeit, damit bin ich zufrieden (resp. man bietet mir die "rohe Bandbreite" die man mir versprochen hat). "Interessanterweise" bringt es Swisscom aber nicht fertig, zur Primetime einen 5-6mbps Netflix Stream zu liefern, obwohl ich zur selben Zeit feststellen kann, dass mein Anschluss stets die "rohen" 50mbps liefert und z.B. Downloads, etc. mit hohem Speed problemlos >30mbps daher kommen (nein, mach ich natürlich nicht parallel zum Netflix-Stream sondern separat als Speed-Test).

Wer sich informiert hat und versteht, wie "das Internet" sowohl technisch als auch businessmässig funktioniert, der versteht auch, dass das Problem hier explizit von der Swisscom verursacht wird und definitiv nicht, wie von Swisscom dreisterweise behauptet, von Netflix. Es ist beschämend, dass die Swisscom ihre zahlenden Kunden hier nicht nur diskriminiert sondern auch noch dreist belügt. Wenn schon sollte man dazu stehen und den Kunden ehrlicherweise mitteilen "Sorry, wir haben kein Interesse an einem gut funktionierendem Netflix Service. Swisscom Kunden müssen mit diesen Problemen rechnen und wir bieten ihnen dafür unsere tollen VoD, Teleclub Play, etc. Services an. Wer Netflix in stets guter Qualität haben möchte, braucht einen anderen Provider.".

Nun gut, wir wissen alle, weshalb die Swisscom (oder sonst irgend ein Provider) so ein ehrliches Statement niemals veröffentlichen würde. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass die Allgemeinheit und wohl auch WeKo's oder andere Institutionen bei diesem komplexen Thema sehr einfach an der Nase herum geführt werden können.

Ja, ich weiss: Wem es nicht passt, der soll doch einfach wechseln. Ja, hätte ich bereits gemacht, wenn meine Frau nicht noch so sehr am Live-TV hängen würde 😉  ... ändert aber so oder so nichts an der Dreistigkeit der Swisscom. Es bleibt einfach zu hoffen, dass Netflix in absehbarer Zeit so populär wird, dass es sich ein ISP gar nicht mehr leisten kann, den Netflix Service nicht zufriedenstellend anzubieten. Dann reguliert es sich schlussendlich von selbst. Wird aber noch einige Zeit dauern.

smid12'144 Beiträge
bearbeitet #913
Während Netflix stockt, ziehe ich mir vom OCH einen 1080p Film in ein paar Minuten. Komisch komisch

Ich denke die Politik muss den beiden ISP massiv auf die Finger klopfen. Aber dazu sind sie zu blöd oder zu lobbyiert.

Waudiz570 Beiträge
#914
Mit Netflix hat man jetzt halt jdn, von dem man etwas fordern kann.

Das Problem an sich ist aber nicht neu. Z.B. gab es ja in der Vergangenheit schon div. Provider, die OCHs oder v.a. Torrents drosselten. Das bestimmt nicht wg. verletzter Urheberrechte, sondern wegen des Traffics, die diese "Dienste" verursachten, v.a. bei exzessivem Gebrauch.

Um mal wieder meinen Autobahnvergleich zu bemühen: Für Lastwagen ist es mit 40 Stutz Vignettengebühr im Jahr auch nicht getan. Da gibt es noch die LSVA, weil ein Laster eben mehr Unterhaltskosten verursacht.

Wenn Provider gezwungen werden, Netflix & Co. einfach durchzuleiten, wird das Ende der echten Flatrates kommen. Im Ausland stellenweise schon Realität. Echte Flatrates werden dann so teuer, dass wir uns die heutigen Preise zurückwünschen. Dann wird es mit der Netzneutralität so richtig delikat, z.B. wenn SC den SCTV Traffic von der Limitierung ausnähme.

doom2'266 Beiträge
bearbeitet #915
Neu hättest du 20 zur Auswahl mit je eigener Infrastruktur. Schon nach wenigen Jahren würdest du sehen, dass es wieder einen klaren Leader gibt und eine ebenfalls deutlich auszumachende Nummer 2.




Wieso hats denn beim Mobilfunk in den meisten Ländern mehr als 2 Player? Obwohl die Ex Monopolisten auch mit einem Riesenvorsprung angefangen haben. Wenn das Wettbewerbsrecht scharf genug ist und nicht so ein Papiertieger wie in der Schweiz, dann würde ein Reboot dazu führen dass es die Übermacht nicht mehr gibt. Ausserdem stellst du mit einer Strukten Trennung in Infrastruktur, IP Konnektivität und Dienstleistung auf IP Netz sicher dass der Kunde wirklich die Wahl hat.

Die Situation wo du mit eijnem Providerwechsel z.B. mit massiv tiefere Bandbreiten leben müsstest (Wechsel vom Kabelnetz auf DSL) - die Zeiten wären vorbei weil jeder Provider auch aufs Kabelnetz dürfte. Und die Zeiten wo man wegen einem TV Angebot den Provider nicht wechselt ebenfalls, weil du bei allen Anbietern von IP Konnektivität den Zugriff auf alle IP basierte Dienstleister hättest.

Und jetzt wieder in die Realität zurück. Nach dem ersten DSL Hype kommen jetzt wieder vermehrt Provider auf weil es einen faireren Infrastrukturzugang gibt mit den FTTH Netzen. Swisscom führt zwar auf ihrem BBCS-F Angebot nach wie vor eine Strategie der verbrannten Erde - Provider können davon nicht leben weil du wenn deine Kunden > 2mbit benutzen zusätzlich abdrücken muss (das war schon bei DSL so.. darum sind schliesslich fast alle Anbieter wieder verschwunden), aber Provider haben die Möglichkeit auf andere Fasern zuzugreifen. 

Wenn der Kunde sein TV Angebot bei jedem ISP beziehen kann, dann kann er sofort wechseln., und verliert im worst case seine Email Adresse. Telefonie und TV kann er mitnehmen und bekommt beim neuen Provider genau dasselbe. Bei solcher Flexibilität könnten sich es die ISPs kaum leisten OTT Dienste zu diskriminieren. Aber heute hast du UPC wo vielerorts das Monopol für vernünftige Bandbreiten hat, und Swisscom welche das Monopol für Sport hat. Swisscom und UPC können die bösen Spiele machen weil sie es sich leisten können.. sie kontrollieren die Infrastrkuktur und TV Rechte. Hätten sie das nicht, wir hätten die ganze Thematik gar nicht. Es sind nicht umsonst die kleinen Anbieter die nicht diskriminieren - diese haben die Vorteile des eigenen Netzes und Content Verträge nicht. Gehen sie so mit ihren Kunden um wie das Swisscom und UPC tun, dann gehen die Kunden.

Wenn Provider gezwungen werden, Netflix & Co. einfach durchzuleiten, wird das Ende der echten Flatrates kommen.
 
Wieso? Nein, was Comast und Co. abziehen hat nix damit zu Tun, im Gegenteil, die werden ja von Netflix geschmiert, und trotzdem wollen sie Volumenlimiten einführen bzw sind am "testen". Die Implementation der Volumenlimiten zeigen dann auch ganz klar und einfach so dass es wirklich jeder versteht dass es überhaupt nicht um Netzwerkmanagement geht sondern um abzuzocken. Deine Anbindung "ans Internet" als Provider (um es mal sehr vereinfacht auszurdücken), die bezahlst du nach Kapazität, nicht Durchsatz. D.h. du baust dein Netz für Peak Traffic, also Abend von 18 Uhr bis 22 Uhr. Wenn in der Nacht um 3 Uhr alle im Bett sind, hast du immer noch gleich viel Bandbreite "ins Internet"... wenn der Hansli also die ganze Nacht mit Gigabit Durchsatz Daten pumpt, während die anderen 999 Kunden mit denen er sich die Bandbreite Teilenen muss (Stichwort Overbooking), dann ist das ökonomisch völlig irrelevant - die Leitungen sind da und bezahlt. Zeige mir einen Anbieter welcher für Endkunden eine Volumenlimite nach ökonomischen Kriterien implementiert hat, wo wirklich die Nutzer nach Prozentualer Benutzung der Provider's Peak Bandwith bezahlt, und nicht einfach nach Durchsatz. Ich kenne keinen. Wegen Netflix muss garantiert kein Provider auf Kabelgebundener Infrastruktur eine Volumenlimite einführen. 

Wie schon erwähnt.. es müssen nicht Cache Server im eigenen Netz sein. Es muss auch nicht unbedingt ein gratis Peering sein (wobei wir uns da in heikles Territorium begeben)... es geht um Marktpreise vs. Mondpreise. Da der Zugriff auf die Kunden eines ISPs immer eine Monpolsituation darstellt, ist eine Regulierung überfällig. Auch die Schnarchnasen der Weko werden noch darauf kommen. Und init7 hat ja schon mal vor Gericht gegen Swisscom gewonnen genau beim Thema Peering. Auch wenn es Swisscom nochmals um Jahre verschleppt.. schlussendlich wird rauskommen was rauskommen muss.

MichelZ672 Beiträge
#916
Ich bin der Meinung das wenn mir ein Provider eine Bandbreite als Flatrate verkauft, dann kann ich damit machen was ich will. Wenn ich damit alle hosts des Internets den ganzen Tag pingen will und damit die Gigabit Leitung dicht mache, oder ob ich den ganzen Tag downloade oder was auch immer hat meinen Provider nicht zu interessieren. Wenn er nicht den Traffic einer Flatrate haben will, dann soll er es auch nicht als Flatrate vermarkten.

smid12'144 Beiträge
#917
Die Schweiz war AFAIK das einzige Land in Europa wo nur ein Provider an den Start ging.

SWISS GSM 🙂

easypeacy422'068 Beiträge
#918
Nun, das hingegen ist ein schwieriges Thema. Frag mal bei Swisscom oder UPC nach. Da verursachen glaub ca. 5% der Kunden etwa 70% des monatlichen Datenvolumens oder ähnlich. Somit auch 70% der mit dem Datenvolumen verbundenen Kosten (inkl. notwendigem Infrastruktur-Ausbau). Diese müssen schlussendlich von allen getragen werden. Eine "Fair Use" Klausel halte ich durchaus für sinnvoll, wenn sie auch vom Provider wirklich fair gehandhabt wird. Wer bei UPC ein 500mbps Abo hat und die Leitung Tag-und-Nacht mit Downloads komplett zu macht, der nutzt dieses Abo weit ausserhalb des vorgesehenen Kostenrahmens. Viele verwechseln den vom Provider zur Verfügung gestellten Speed (mbit/s, d.h. Datenvolumen pro Zeiteinheit), der sicherstellt, dass auch mal grössere Downloads schnell vonstatten gehen, mit einem grossen umgesetzten Datenvolumen pro Monat, was in der Tat ein anderes Thema ist.

Was kann man dagegen tun?

  • Gute Mine zum bösen Spiel vom Provider und die Kosten selbst schlucken -> macht kein gewinnorientiertes Unternehmen
  • Diese 5% Extremnutzer akzeptieren und den Abopreis allgemein für alle z.B. um 15.-/Mt anheben -> das würde kein Kunde akzeptieren, hier im Forum wird ja auch überall gegen Quersubventionierung geschrieen
  • Eine "Fair Use" Klausel, die sicherstellt, dass die Speed-Abos weiterhin zu einem vernünftigen Preis bestehen und den paar wenigen "Extrem-Saugern" nach einem (sehr hohen Limit) z.B. ganz einfach der Speed gedrosselt wird -> in meinen Augen sinnvoll und zum Wohle der >95% "Normal- und Normalintensiv-Nutzer"
  • Eine "Fair Use" Klausel, die dazu dient, jedem Kunden, der etwas mehr als Email und "Herumsurfen" betreibt, einen Riegel zu schieben resp. durch teurere Abos oder Zusatz-Gebühren für Datenvolumen noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen -> in meinen Augen ein Missbrauch der "Fair Use" Klausel des Providers und inakzeptabel (habe aber schon lange nicht mehr von so einem Fall gehört)
Klar ist auch, dass der letzte Fall nicht eintreten darf, um z.B. von Video-Stream Nutzern (Youtube, Netflix, etc.) zusätzliches Geld zu verlangen. Sie verursachen zwar auch hohes Datenvolumen, jedoch entsprechen diese Services dem zu erwartenden Verhalten eines Durchschnittskunden und das muss durch den regulären Abopreis abgedeckt sein.

Klar ist für mich auch, dass es inakzeptabel wäre, wenn man grundsätzlich Flatrates aufheben würde und man sich in 10GB oder 100GB Paketen Datenvolumen kaufen müsste. Ich denke aber der erste Provider, der das in der Schweiz ernsthaft versucht, wird sich damit sein eigenes Grab schaufeln.

MichelZ672 Beiträge
#919
Da bin ich leider anderer Meinung. Dann müssen sie ganz klar Volumenbegrenzungen machen...

Das ganze wird jedoch als "no limits" verkauft.

easypeacy422'068 Beiträge
#920
Diese Meinung steht dir natürlich zu. Wenn du die Provider aber wirklich aus ideologischem Prinzip zur absolut bedingungslosen Flatrate verdonnern möchtest, dann musst du dir auch über die Konsequenzen bewusst sein:

  • Internet Abos im aktuellen Preissegment werden stark volumenbegrenzt werden, so dass auch "Normal- und Normal-Intensiv User" damit nicht mehr klar kommen
  • Es wird echte Flatrates geben, aber zum unbezahlbaren Premium Preis
  • Oder alternativ kriegst du eine echte, bezahlbare Flatrate, aber nur noch mit z.B. 20mbps, womit das Datenvolumen de facto ebenfalls begrenzt ist und du erst noch im gewöhnlichen Alltag schmerzliche Einschränkungen hast
Somit gäbe es auf Kundenseite praktisch nur Verlierer und keine Gewinner. Es ist mir auch nicht klar, was man damit ausser dem Durchsetzen einer abstrakten und businessfremden Ideologie überhaupt erreichen möchte. Die Kostenstruktur eines ISPs hängt nun mal auch direkt mit dem Datenvolumen der Extrem-User zusammen und nicht nur mit dem Speed eines verkauften Abos. Da lebe ich lieber mit den zur Zeit sinnvoll angewandten "Fair Use" Klauseln, denn damit gewinnen schlussendlich >95% aller Kunden und die <5% der grossen Kostenverursacher werden limitiert oder müssen sich ihr exzessives Volumen teurer erkaufen, was grundsätzlich ebenso deutlich fairer ist als eine Quersubventionierung (denn diese Kosten fallen an und müssen irgendwo gedeckt werden).

Meine Meinung würde sich ändern, falls die Provider beginnen würden, die "Fair Use" Klauseln übermässig zu ihrem Vorteil anzuwenden, wie es in der Vergangenheit der eine oder andere Provider auch schon (erfolglos) versucht hat. Aber ich glaube, die Provider haben sich damit bereits die Finger verbrannt und daraus gelernt.

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