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Service Public Vorlage und Swisscom TV

128 Antworten23'019 AufrufeGestartet von smid ·

magicfriend3'697 Beiträge
#81
Also jeder der einen Funken von Mikroökonomie versteht, der weiss, dass die Initiative zum Scheitern veurteilt ist. Nicht die Initiative selber, doch das Ergebnis, welches garantiert anders ausgehen würde, als von den Initianten herbeifabuliert. Was hier viele nicht begreifen: Die Swisscom macht ihre Gewinne wohl kaum nur daher, dass der Staat die Unternehmung protektionistisch schützt oder deutlich besser stellt, als die Mitbewerber. Viele faseln immer, wie teuer die Swisscom ist. Ja dann wechselt doch einfach zur Konkurrenz. Das ist die freie Marktwirtschaft! Die Swisscom käme mittelfristig gar nicht darum herum, die Preise zu senken und sich dem Markt anzupassen. Denn Angebot und Nachfrage sind immer noch der Preisbilder, der sich durchsetzt. Ja die würden die Vorteile der bisherigen Infrastruktur des Monopols schamlos ausnutzen, die Aktionäre bevorteilen und nur die Staatskasse füllen.

Eine Unternehmung, der man den Gewinn vorderhand abspricht resp. keinen Anreiz für grosse Gewinne in Aussicht stellt, wird keine guten Löhne für ambitionierte Mitarbeitende bezahlen. Die Mitarbeitenden werden dann auch keine Anreize haben, bessere Leistungen und Innovation an den Tag zu legen. Daraus würde eher wieder die alte Telecom PTT werden, als dass alle Konsumentinnen und Konsumenten wirklich profitieren.

f1-tom2'494 Beiträge
#82
Die Hauptstossrichtung der Initiative geht ja dahin, dass die Unternehmen die Gewinne, die sie heute machen, neu direkt in den Service Public investieren müssten und eben nicht als Gewinn der Bundeskasse abliefern bzw. den Aktionären als Dividende auszahlen.


Grundsätzlich verstehe ich das Anliegen dass die Gewinne nicht einfach ein paar wenigen die Taschen füllen sollen. Aber wie soll man das umsetzen? Es gibt immer Argumente dafür und dagegen. Ich finde auch dass viele Produkte von Swisscom eher zu teuer sind. Dass ich z.B. nicht Swisscom TV Plus abonnieren kann ohne eine 100Mbit/s Leitung dazu zu nehmen welche ich nicht brauche geht mir auch gegen den Strich! Aber genau dafür gibts ja die Möglichkeit auf andere Anbieter auszuweichen.

Was ich nicht ganz verstehe ist wieso auf der einen Seite gefordert wird dass der Bund die Aktien verkauft und Swisscom damit "privatisiert" (das ist sie aber eigentlich bereits). Auf der Anderen Seite soll kein Gewinn gemacht bzw. ausbezahlt werden und alles in den Service Public fliessen. Eigentlich doch genau das Gegenteil von dem was mit der Privatisierung gefordert wird. Das ist nur möglich wenn die Swisscom wieder voll verstaatlicht wird. Dann kann der Staat die Firma von der Börse nehmen und entscheiden was mit dem erwirtschafteten Geld passieren soll. Dann würde aber das Geld welches der Bund aktuell mit der Investition in Swisscomaktien verdient fehlen weil der Gewinn ja nur dort verwendet werden darf wo er herkommt. Glaubt ihr wirklich dass die dann mehr ins Netz investieren usw.? Oder meint ihr nicht dass dann einfach, wie beim Staat üblich, ein grösserer und trägerer Apparat mit viiiel mehr Beamten und Angestellten entstehen würde. Ich glaube nicht dass eine Swisscom als Staatsbetrieb noch lange Gewinne abliefern könnte!

Henry495 Beiträge
#83
Es kann ja jeder Swisscom-Aktien kaufen, und niemand muss Kunde sein. Verstehe das Problem nicht.
Geht um den Service Public, sprich um die Grundversorgung der swisscom. Und dass die swisscom in der Mehrheit im Besitze des Staates ist. Dann soll die Politik die Grundversorgung doch aufgeben und alles privatisieren. Wäre ehrlicher.

Man schaue dann ins Ausland, was geschieht. In GB ist zB die Bahn privatisiert. Gute Nacht, Freunde. Von der Post und der SBB muss auch niemand Kunde sein, gell. Dann wechsle ich doch zur BLS oder zur DHL.

Jeder kann swisscom-Aktien kaufen, da ja jeder Schweizer so viel Stutz hat, dass die Dividende wie bei F1-tom seine Kosten für seine Anschlüsse deckt. Was träumst Du denn in der Nacht?

f1-tom2'494 Beiträge
bearbeitet #84
Nur um das klarzustellen. Man muss nicht reich sein (bin auch ich bei weitem nicht... leider) um meine Kosten für Mobile und Internet zu decken! Grobe Rechnung:

12x 7.50 CHF für Datenoption dazu höchstens 5.- für SMS & Telefonie= 150.- CHF pro Jahr für Mobile bei Sunrise

12 x 35.- Für Internet S bei Quickline = 420.- CHF pro Jahr für Internet

Total 570.- CHF

Aktuell wird pro Swisscomaktie eine Dividende von 22.- CHF ausbezahlt. Um meine Kosten mit der Dividende zu decken reichen 25.91 Aktien. Also 26 Stück. Die kosten aktuell 468.80 CHF pro Titel oder zusammen 12'188.80 CHF. Seit ich sie gekauft habe sind sie aber knapp 33% gestiegen. Ich habe also weniger dafür bezahlt als es heute der Fall wäre. Natürlich muss man den Betrag zuerst mal haben, ist aber jetzt auch nicht DIE Wahnsinns-Summe. Ich könnte jetzt noch ausrechnen wie viel ich in den letzten 10 Jahren gespart habe weil ich nur Prepaid habe und nicht ein Abo für 60.- / 70.- oder 80.-CHF. Dann hat sich wahrscheinlich die Hälfte der Aktien dadurch bereits selber finanziert. Mag alles ein bisschen kleinlich wirken, aber wenn man das überall ein wenig optimiert und die Tarife und Preise etwas hinterfragt macht das auf die Jahre gerechnet plötzlich ein schönes Summchen aus. Das kann man dann z.B. wider in Swisscomaktien investieren und damit das nächste Abo finanzieren. 😉

Ich mache das nicht weil ich wirklich darauf angewiesen bin sondern weil ich mir mit meinem Geld lieber etwas leiste was ich wirklich brauchen kann.

heliosh52 Beiträge
bearbeitet #85
Wenn man mit der Grundversorgung der Swisscom nicht zufrieden ist, soll man die Grundversorgungskonzession anpassen und nicht in's Geschäftsmodell der Swisscom eingreifen.

Zu Post und Bahn kann ich nichts sagen, da bin ich mit dem Service zufrieden.

Dr Heinz335 Beiträge
#86
Nene das MUSS schlecht sein, wenn der Bund 500-600 Mio's pro Jahr verdient. In den Augen dieser Leute gehören Gewinne sicher nicht dem Staat, nach dem schreit man erst, wenns um Verluste oder Kosten geht (siehe Atomdebatte zur Zeit oder die leidigen Themen Bankenrettung oder Swissair). Gewinne gehören gefälligst privatisiert, damit man sich in Herrliberg (und bei anderen Geiern) die Taschen noch mehr vollstopfen kann...

Henry495 Beiträge
#87
Korrekt. Die Gewinne gehören F1-Tom und den übrigen Aktionären. Und das AHV-Grosi mit 2000.- im Monat zahlt weiterhin Fr. 25.25 für ihren Telefonanschluss wie anno 1970. Kann ja zu UPC gehen, wenn's ihr nicht passt. Wer will denn noch Grundversorgung...

Wobei nichts gegen F1-Tom, seine Telecom-Ausgaben und sein Sparverhalten sind vorbildlich.

Zu Heliosh: bin auch sehr zufrieden mit der Post. Kommt jeweils schon um 13.00 Uhr nachmittags. Und die Einschreiben vom VOLG-Lädeli sind ab zu verziert mit Gipfeli-Fettflecken. Unser Dorf hat halt nur 2000 Einwohner, da reichts nicht mehr für eine Poststelle. Immerhin erhalten wir noch Post. In viele Weiler im Berggebiet wird sie ja nicht mehr geliefert, zu weit weg.

3D-Fan134 Beiträge
#88
Jeder kann swisscom-Aktien kaufen


Ja, recht so, aber im Moment ist dies wohl nicht mehr zu empfehlen. Ich überlege mir schon ein paar Lots Short-CFDs auf Swisscom zu kaufen. Denn wenn die Initiative angenommen wird, was anzunehmen ist, wird die Swisscom-Aktie wohl einen Kurssturz mitmachen, wie wir es noch nie gesehen haben. Die UBS-Stürze aus 2008 werden ein Dreck dagegen sein...

easypeacy422'068 Beiträge
#89
Wenn dem so wäre, dann wäre der Kurssturz bereits passiert. Der Aktienkurs zeigt nie den aktuellen "Wert" der Firma, sondern den zukünftig antizipierten "Wert". Wäre die Annahme der Initiative so sicher und die Auswirkungen so schrecklich, wäre der Kurs bereits am Boden. (PS: abgesehen davon muss ein Aktienkurs auch rein gar nichts mit dem "Wert" der Firma zu tun haben ... und was nach Annahme der Initiative mit Dividenden, etc. passiert, würde auch noch in den Sternen stehen ... wahrscheinlich würde sich gar nicht viel ändern, denn es geht ja nur um den "Service Public", wie du auch hier zum x-ten Male schon wieder vergessen hast).

schnuerbel1'837 Beiträge
#90
Es sind UNSERE Gelder und ich bin nicht bereit ungerechtfertigte Löhne (>400'000) zu bezahlen.


Schwank aus dem echten Leben:

In einem IT-Projekt einer grossen Schweizer Versicherungsgesellschaft versuchte der Projektmanager Druck auf die Entwickler auszuüben, indem er das Mantra verbreitete "ich besitze Aktien dieser Firma und deshalb kann ich von Euch verlangen, was ich will. Denn ich bin interessiert daran, dass die Firma mehr Gewinn macht." Er stellte sich selbst quasi eine Blankovollmacht für irgendwelche unsinnigen Anforderungen aus, die aus seiner Sicht die Firma vorwärts bringen - aber letztlich nur ein Heidengeld im Projekt verbrannten. Es stellte sich später - bei Projektabschluss und nach einigen Bieren - heraus, dass er 10 Aktion der Firma besass.

"Ich zahle Steuern, also will ich..." löst bei mir die Assoziation zu diesem Projektmanager aus. Es stellt sich die Frage, ob Du mehr Steuern als ich bezahlst - denn:

Ja, es sind unsere Gelder und ich bin bereit gerechtfertigte Löhne (> 400'000) zu bezahlen. 

easypeacy422'068 Beiträge
#91
So langsam kehrt auch am Stammtisch wieder Vernunft ein:

"


Erheblich verändertes Bild


Die Initiative hat in der ersten Runde der gfs.bern-Befragung für eine Überraschung gesorgt. Obwohl sie im Parlament keinen Tritt fassen konnte, fand sie im Volk Anklang. Noch im April haben 58 Prozent der Befragten bestimmt oder eher Ja gesagt, 26 Prozent bestimmt oder eher Nein. Laut dem Institut gfs.bern hat sich die Haltung seither «erheblich» verändert.

Mit neu 46 Prozent an Voten bestimmt oder eher dafür und 41 Prozent bestimmt oder eher dagegen besteht der Vorsprung der Befürworter zwar nach wie vor. Die 32 Prozentpunkte Unterschied sind aber auf gerade einmal 5 Prozent geschmolzen. "

Quelle: http://www.srf.ch/news/schweiz/abstimmungen/abstimmungen/service-public-initiative/service-public-initiative-ausgang-offen
 

doom2'266 Beiträge
#92
Was ich nicht ganz verstehe ist wieso auf der einen Seite gefordert wird dass der Bund die Aktien verkauft und Swisscom damit "privatisiert" (das ist sie aber eigentlich bereits). Auf der Anderen Seite soll kein Gewinn gemacht bzw. ausbezahlt werden und alles in den Service Public fliessen. 
Weder Initianten noch Befürworter wollen die Swisscom Privatisieren. Man müsse die Swisscom bei einer Annahme privatisieren kommt aus der Feder der Gegner.

Als Mehrheitsaktionär kann der Bund der Swisscom natürlich Vorgaben machen - und tut das auch (einer oder der andere erinnert sich vielleicht noch daran dass der Bund den Auslandabenteuern mal einen Riegel geschoben hat), allerdings nur sehr dezent. Mit der Definition der Grundversorgung (2mbit, Telefonanschluss, fixer Preis) tut er das ebenfalls. Wenn man sieht wie sich Minderheitsaktionäre zum Teil bei Firmen aufführen, müsste kaum eine Wiederverstaatlichung stattfinden.

Sprich nicht als Gewinn ausbezahlt wird, sondern in den Service Public investiert würde. 
Die bereichtigte Frage ist, "würde es das?". Nimmt man die Initiative beim Wort, geht es nur um die Grundversorgung. Im Falle der Swisscom ist das ein kleiner Teil des ganzen Kuchens. Und bei der SBB - da mag die Personenverkehrs AG einen Gewinn schreiben, aber die Infrastruktur frisst das gleich wieder auf, und dann noch einige Steuermillionen dazu. Unter dem Strich bleibt nichts um die Leistung billiger zu erbringen. Bleibt die Post.. ist deren Grundversorgungsauftrag kostendeckend?

Ich stimme zu, dass ab einem gewissen (sehr hohen) Management Level der Lohn überproportional zur *zusätzlichen* Leistung und Verantwortung zunimmt. Und ich bin auch dafür, dass man die Auswüchse der CEO Löhne bekämpft
Was wäre denn dein Vorschlag um Auswüchse zu bekämpfen? Und wie definierst du Auswuchs?

easypeacy422'068 Beiträge
#93
Was wäre denn dein Vorschlag um Auswüchse zu bekämpfen? Und wie definierst du Auswuchs?
Das ist eine gute Frage und hier beginnen ja genau die Probleme.

Klar und unabdingbar ist für mich, dass die Regeln für alle Unternehmen gelten müssen. CEO Löhne nur für bundesnahe Betriebe zu beschränken ist sinnlos, realitätsfremd und fatal für diese Unternehmen (und hat sowieso nichts mit Service Public zu tun). Wenn man Beschränkungen einführt, dann für alle und geographisch grossflächig. Heisst, eine Beschränkung selbst für die ganze Schweiz wäre noch immer sinnlos und kontraproduktiv, denn wirtschaftlich ist die Schweiz global zu unbedeutend (auch wenn der gemeine Helvetier es gerne anders wahrnehmen möchte). Man müsste zusammen mit der EU für ganz Europa Beachränkungen einführen, erst dann wird es Wirkung zeigen.

Die Frage nach "wieviel ist zu viel" ist extrem schwierig zu beantworten. Da hat jeder wohl eine andere Meinung. Für mich sind 1Mio CHF Jahresgehalt für einen CEO eines Milliarden-Konzerns nicht zu viel. Vasellas 72Mio CHF waren meiner Meinung nach definitiv viel zu viel. Ich bin dafür, dass die Entlöhnung solcher Positionen eng an den Erfolg der Firma gebunden wird. Wenn sich ein Milliarden-Konzern extrem gut entwickelt, dann darf ein CEO mit Boni von mir aus auch 5 oder 7Mio CHF verdienen. Ich erwarte dann aber auch, dass in einem schlechten Jahr auch mal "nur" eine knappe Million übrig bleibt. Dass Bank CEOs sich trotz Milliarden-Verlusten trotzdem noch Boni in Millionenhöhe auszahlen lassen, geht dann gar nicht mehr. Solche abstrusen Dinge müsste man per Gesetz unterbinden, idealistisch geträumt am besten grad weltweit einheitlich, resp. halt mal zumindest in der EU (und CH).

smid12'144 Beiträge
Launedernatur212 Beiträge
#95
Höh, wo hat denn Watson hingeschaut? Salvisberg wurde bereits in der vorhergehenden Arena von Pardini und Leuthard gnadenlos zerpflückt! Bis zum Ende der Sendung konnte er nicht zweifelsfrei darlegen, dass nur Kaderlöhne beschnitten würden ("Wir haben von anfang an gesagt, dass..." Jaja, gesagt ist schnell was)

Gelöschtes Mitglied 757
bearbeitet #96
Und wer sind denn die anderen 49% der Swisscom Aktionäre wenn nicht Börsenhaie?
https://www.swisscom.ch/de/about/investoren/aktie/besitzstruktur.html

Jedenfalls sind 95% der Aktionäre aus der Schweiz.

doom2'266 Beiträge
#97
Ich bin dafür, dass die Entlöhnung solcher Positionen eng an den Erfolg der Firma gebunden wird. Wenn sich ein Milliarden-Konzern extrem gut entwickelt, dann darf ein CEO mit Boni von mir aus auch 5 oder 7Mio CHF verdienen.
Du brauchst dann aber auch ein Mechanismus der Sicherstellt dass langfristiger Wert geschaffen wird - sonst wiederholt sich die Situation der Finanzkrise wo jeder nur auf den nächsten Bonus hingearbeitet hat. Und das "extrem gut entwickelt" sollte auch auf die Leistung der Person gebunden sein. Wenn die Börse in einem Jahr um 20% raufgeht und deine Aktien auch um 20%, dann hast du durchschnittlich gearbeitet.

Ich erwarte dann aber auch, dass in einem schlechten Jahr auch mal "nur" eine knappe Million übrig bleibt.
Das wäre ja fast Verantwortung übernehmen für schlechte Zeiten 😉  Finde mal einen der das mitmacht. Oder nicht nur vor die Aktionäre hinsteht und dem Bösewicht der Stunde die Schuld in die Schuhe schiebt wieso es nicht gelaufen ist (Thomas Jordan ist momentan ein sehr beliebter Bösewicht), sondern einen der vor die Belegschaft hinsteht und auch mal Asche auf sein Haupt streut wenn aufgrund von Management Entscheiden die halt doch nicht so toll waren die Leute weniger kriegen oder gar Leute gehen müssen. Ideal, aber leider heute sehr selten, wäre dass das Wohlergehen der Topmanager eng mit dem Wohlergehen der Firma zusammen hienge. Da ist Verantwortung ins System eingebaut. Auch bei Hedgefonds war das mal so - wenn das Ding zugrunde geht, stehen die Partner vor dem Nichts.

Dass Bank CEOs sich trotz Milliarden-Verlusten trotzdem noch Boni in Millionenhöhe auszahlen lassen, geht dann gar nicht mehr. Solche abstrusen Dinge müsste man per Gesetz unterbinden, idealistisch geträumt am besten grad weltweit einheitlich, resp. halt mal zumindest in der EU (und CH).
Aber ist diese Forderung nicht mindestens unrealistisch? Schon bis die EU mal was auf die Reihe kriegt, und da würde dann natürlich auch auf andere nicht-EU Länder gezeigt und mit Abwanderung gedroht. Also das üblichte Angsmacherszenario. Und - deine Überlegung ist hier wohl dass diese Leute rein extrinsisch motiviert sind, sprich sie bringen nur Leistung gegen viel Geld. Stimmt das wirklich? Ich arbeite in einem technischen Bereich - da sind die meisten Leute ganz klar intrinsisch motiviert. Salär ist ein Hygienefaktor der stimmen muss, aber rein mit mehr Geld kannst du die Leute nur schwer binden (es müsste schon verdammt viel Geld sein.. ). Das ganze System der Millionensaläre basiert auf der Annahme dass Manager rein extrinsisch motiviert sind. Gibt es Studien die das belegen? Ich kenne einige Manager persönlich wo das nicht stimmt - das Geld nimmt jeder gerne (seien wir ehrlich, wer würde ein Millionensalär ablehnen...), aber ist es der einzige Grund um Morgens aufzustehen? Ueli Maurer war letztes Wochenende in der Presse von wegen Billigmanager. Aber - kann man belegen dass bei einem Salärcap fürs oberste Management die Resultate nachweisbar abnehmen? In deinem Novartis Beispiel... der Wert des Unternehmens (etwas vereinfacht natürlich) basiert doch auf dem Portfolio dieser Firma (Medikamente im Verkauf und in der Pipeline, Patente). Wenn ein Forscherteam bei Novartis Morgen einen Durchbruch im Bereich Krebsforschung macht, hätte das wohl eine grössere Auswirkung auf den Unternehmenswert als wenn der Jimenez mal keinen Bonus kriegt. Ich weiss, das ist ein extremes Beispiel, aber die Firma ist für extreme Auswüchse im Lohnbereich bekannt.

Legen Post und Co. eigentlich auch einen Vergütungsbericht vor? Das wäre doch Punkt wo es bereits Mechanismen gibt für Begrenzungen. 51% der Swisscom wird durch den Bund kontrolliert. Was stimmt dieser beim Vergütungsbericht? (ich hab nein gestimmt.. ). Und das dann ausweiten auf die institutionellen Investoren. Die müssen nach Abzockerinitiative zwar abstimmen, aber da stimmen ja nicht die Leute ab deren Geld investiert wurde. Sonst könnten die eine oder andere Vergütungsbereichtsabstimmung anders ausgehen. Und da braucht man auch keine absoluten Lohnlimiten in die Verfassung zu schreiben.

Die Initiative greift ein paar interessante Punkte auf die man diskutieren sollte. Es ist durchaus berechtigt zu fragen ob die Leitung von Unternehmen die nur teilweise im Wettbewerb stehen, in den letzten Jahren nicht gar rasch gestiegen sind. Offensichtlich misst der Bund da am Markt - der Einwand ist aber berechtigt dass die Unternehmen nicht wirklich voll am Markt (z.B. Post, SBB, und Swisscom hat durch die schwache Regulierung massive Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz) sind und durch die Bundesbeteiligung einen Marktvorteil haben. Im gleichen Zug müsste man aber auch die Too Big To Fail Problematik nochmals anschauen - die Banken sind nach wie vor nicht so aufgestellt dass sie sauber und ohne Kollateralschäden (und damit obligates Einspringen des Bundes) abgewickelt werden können  - da müsste Köppel konsequenerweise auch für eine Salärbeschränkung der Bankmanager sein. 

Auch was die Grundversorgung kosten darf ist ein interessantes Thema und durchaus diskussionswürdig. Ich fänds gut zu wissen was die Grundversorgung kostet (und gerade bei der Telekom würde ich auch die Frage stellen ob das etwas ist das in Bundesbesitz sein soll (meiner Meinung nach ja, und zwar zu 100%, nicht 51%)). Positiv an der Initiative wäre dass man die Kosten wenigstens mal sehen würde. Das sollte aber auch ohne Initiative gemacht werden.

doom2'266 Beiträge
#98
@Schlummi Danke die Seite kenne ich schon. Aber die Anzahl Börsenhaie sieht man da auch nicht 😉  

Es braucht keinen Mehrheitsinvestor um eine Firmenleitung unter Druck zu setzen. Herren wie Carl Icahn machen das auch mit Minderheitsbeteiligungen. Also könnte der Swisscom das jetzt schon blühen.

Köbi411 Beiträge
bearbeitet #99
Gestern war Arena

http://www.watson.ch/Schweiz/TV/924229977-Keine-Chance-f%C3%BCr-%C2%ABArena%C2%BB-Wiederholungst%C3%A4ter-Salvisberg--Der-%C2%ABPro-Service-public%C2%BB-Initiant-verliert-gegen-drei-blitzgescheite-20-J%C3%A4hrige


Haben sie tatsächlich keinen zweiten gefunden, der sich für diese irrwitzige und gefährliche Initiative ins Zeug legen will? 🙂 Er selbst hat wieder über alles geredet, ausser über den Inhalt seiner Initiative, und den Fragen ist er konsequent ausgewichen. Als er dann wieder über ein verschmutztes WC auf einem Bahnhof gelabert hat, war schon fast Fremdschämen angesagt. Speziell ist, dass sich alle, die auf einen guten Service publique angewiesen sind, mit Händen und Füssen gegen die schädliche Vorlage wehren... Das gibt dann eine einmalige Konstellation im Nein-Komitee von Konsumentenforum (!), Berggebiete, Travail suisse, economiesuisse, Tourismusverband, Städte/Gemeinden, Bauernverband, Gewerkschaften, ÖV-Verbände, Andreas Glarner, Cedric Wermuth, Giezendanner und alle anderen Nationalräte :lol:

Ich frage mich ernsthaft, warum jemand, der angeblich für den Service publique ist, diesem die Mittel und die Wettbewerbsfähigkeit wegnehmen will... 🙄

Gelöschtes Mitglied 757
#100
Persönlich schätze ich den Gedanken, der hinter dieser Initiative steckt.

Es ist inzwischen als Arbeitnehmer extrem mühsam eine offene Poststelle zu finden. Sie öffnen später und schliessen früher, wie bei den Banken. ;-) Das war noch vor zwei drei Jahren besser. Päcklipost digital abzuwickeln ist nunmal auch heute nicht möglich. Hier kompensiert der Volg, was die Post an Service abgebaut hat.

Ich glaube solche Mängel sehen und erleben die Leute im Alltag. Die Initiative macht leider einen etwas wirren und unausgegorenen Eindruck, genauso hinterlässt aber auch die Politik einen Eindruck nichts gegen den Missstand ändern zu wollen. Resp. es zeigt wieder einmal, dass die Politik ein viel zu träges Instrument beim Thema technologische Entwicklung ist.

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