WLAN für 4K-Streaming: warum es ruckelt und was hilft
Ein 4K-Stream braucht weniger, als du denkst. Was die Dienste angeben, was das BAKOM für 2.4, 5 und 6 GHz erlaubt und wie du die Engstelle selbst findest.
Redaktionnachgeführt 9 Min. Lesezeit

Der Film läuft am Sonntagabend in 4K an, hakt nach zwanzig Minuten, springt auf ein weiches Bild und fängt sich wieder. Der Speedtest am Laptop zeigt danach die volle Leistung des Abos an, und genau deshalb landet der Verdacht beim Anbieter. Meistens zu Unrecht: Die Engstelle sitzt fast nie auf der Leitung, sondern im WLAN auf den letzten fünf Metern.
Kurzantwort
- Ein 4K-Stream braucht weniger, als man denkt. Netflix empfiehlt für Ultra High Definition in 4K 15 Mbit/s oder höher, für 1080p 5 Mbit/s und für 720p 3 Mbit/s.
- Live ist heikler als Abruf. Zattoo liefert Full HD mit 8 Mbit/s aus und weist darauf hin, dass bei einer Echtzeitübertragung kein Puffer entsteht — der Stream lässt sich nicht vorladen.
- Die Bänder sind in der Schweiz unterschiedlich geregelt. Das BAKOM gibt vier konzessionsfreie WLAN-Bänder frei; das untere 5-GHz-Band ist auf das Gebäudeinnere beschränkt, im 6-GHz-Band gilt das für alle Anlagen bis 200 mW.
- Das 6-GHz-Band endet hier bei 6.425 GHz. Das ist eine nationale Festlegung und nicht dasselbe, was andere Länder freigegeben haben.
- Beim Fernseher schlägt ein Kabel jede Funkoptimierung. Zattoo empfiehlt für den grossen Bildschirm ausdrücklich eine LAN-Verbindung.
Wie viel Datenrate ein 4K-Stream wirklich braucht
Die Zahlen stammen von den Diensten selbst, nicht aus einer Schätzung.
| Dienst | SD | HD 720p | Full HD 1080p | 4K UHD |
|---|---|---|---|---|
| Netflix, empfohlene Geschwindigkeit | — | 3 Mbit/s oder höher | 5 Mbit/s oder höher | 15 Mbit/s oder höher |
| Zattoo, ausgelieferte Bitrate | 3 Mbit/s | 5 Mbit/s | 8 Mbit/s | auf der geprüften Seite nicht genannt |
| Apple TV App | keine Zahl genannt | keine Zahl genannt | keine Zahl genannt | «eine Internetverbindung, die schnell genug zum Ansehen hochwertiger Inhalte ist» |
⚠ Die dritte Zeile ist kein Versäumnis unsererseits, sondern das, was auf Apples Seite zu den Voraussetzungen für 4K, HDR, Dolby Vision und Dolby Atmos tatsächlich steht. Wer irgendwo eine konkrete Zahl für Apple liest, sollte nachfragen, woher sie kommt. Wir nehmen sie nicht auf, solange sie nicht dokumentiert ist.
Zwei Dinge folgen daraus. Erstens ist der Unterschied zwischen Full HD und 4K bei Netflix ein Faktor von drei, nicht von zehn. Zweitens zählt der Unterschied zwischen Abruf und Live mehr als der zwischen HD und 4K: Zattoo hält fest, dass die Übertragung in Echtzeit läuft und deshalb kein Puffer entsteht — was bei einem abgerufenen Film eine Sekunde Nachladen wäre, ist im Live-Bild ein sichtbarer Aussetzer.
Warum die Anschlussgeschwindigkeit fast nie das Problem ist
Rechne es einmal durch. Zwei gleichzeitige 4K-Streams nach der Netflix-Empfehlung sind 30 Mbit/s. Dazu ein Full-HD-Livestream mit 8 Mbit/s, ein Videoanruf und der übliche Rest — man landet im Bereich von 50 Mbit/s. Schon das Grundversorgungsangebot mit 80/8 Mbit/s nach Art. 15 FDV liegt darüber.
Zattoo empfiehlt für seine Abos 16 bis 30 Mbit/s, 30 bis 50 Mbit/s und 50 bis 100 Mbit/s — und begründet den Aufschlag ausdrücklich damit, dass im Haushalt viele Geräte gleichzeitig zugreifen und dem Stream deshalb nicht die ganze Bandbreite zur Verfügung steht. Das ist der Kern: Es geht nicht um die Spitze, sondern um das, was in genau der Sekunde übrig bleibt, in der das nächste Bild gebraucht wird.
Ein schnelleres Abo hilft gegen Ruckeln deshalb oft gar nichts. Was hilft, ist eine stabile Verbindung zwischen Router und Fernseher.
Was in den Bändern 2.4, 5 und 6 GHz erlaubt ist
Das BAKOM stellt für drahtlose lokale Netze vier Frequenzbänder zur Verfügung. Eine Konzession braucht es dafür nicht, aber die Anlagen müssen die Verordnung über Fernmeldeanlagen erfüllen, und die Nutzerinnen und Nutzer müssen sicherstellen, dass die maximal erlaubte abgestrahlte Leistung nicht überschritten wird — etwa durch Antennen mit Gewinn.
| Band | Bereich | Wo erlaubt | Maximale abgestrahlte Leistung | Weitere Auflage | Schnittstelle |
|---|---|---|---|---|---|
| 2.4 GHz | 2.4 bis 2.4835 GHz | auch ausserhalb von Gebäuden | 100 mW | — | RIR1010-01 |
| unteres 5 GHz | 5.15 bis 5.35 GHz | ausschliesslich im Gebäudeinneren | 200 mW; im Bereich 5.25 bis 5.35 GHz nur mit TPC, sonst 100 mW | DFS für alle Anlagen obligatorisch | RIR1010-05 |
| oberes 5 GHz | 5.47 bis 5.725 GHz | auch ausserhalb von Gebäuden | 1 W mit TPC, 500 mW ohne | DFS für alle Anlagen obligatorisch | RIR1010-04 |
| 6 GHz, Typ Low Power Indoor | 5.945 bis 6.425 GHz | ausschliesslich im Gebäudeinneren | 200 mW e.i.r.p. | Einsatz in Fahrzeugen nicht erlaubt | RIR1010-11 |
| 6 GHz, Typ Very Low Power | 5.945 bis 6.425 GHz | auch ausserhalb von Gebäuden | 25 mW e.i.r.p. | Einsatz in Drohnen nicht erlaubt | RIR1010-11 |
Drei Folgerungen für die Wohnung:
- Der Zugangspunkt auf der Terrasse darf nicht jedes Band nutzen. Das untere 5-GHz-Band und die starke 6-GHz-Kategorie sind auf das Gebäudeinnere beschränkt. Draussen bleiben 2.4 GHz, das obere 5-GHz-Band und die 25-mW-Kategorie im 6-GHz-Band.
- DFS ist der Grund, weshalb ein 5-GHz-Netz manchmal für Sekunden weg ist. Die dynamische Wahl der Betriebsfrequenz ist in beiden 5-GHz-Bändern für alle Anlagen vorgeschrieben; die Anlage muss die Frequenz wechseln können. Für einen Livestream ohne Puffer ist genau das die schlechteste Sekunde.
- Das 6-GHz-Band ist hier ein nationaler Entscheid. Freigegeben ist der Bereich 5.945 bis 6.425 GHz, also 480 MHz. Was oberhalb davon in anderen Ländern zusätzlich geöffnet wurde, gehört nicht zur Schweizer Freigabe. Wer ein Gerät aus dem Ausland einführt, ist laut BAKOM selbst dafür verantwortlich, dass es die hiesigen Anforderungen erfüllt.
Kanalbreite und Störungen: warum 2.4 GHz voll ist
Das 2.4-GHz-Band ist 83.5 MHz breit. Bei einer Kanalbreite von 20 MHz passen darin drei Kanäle nebeneinander, die sich nicht überlappen — und dieselben drei benutzt jedes Nachbargerät im Haus, vom Babyfon bis zur Funksteckdose. Deshalb ist 2.4 GHz das Band mit der grössten Reichweite und der geringsten nutzbaren Datenrate zur Fernsehzeit.
Im 5-GHz-Band steht deutlich mehr Platz zur Verfügung: 5.15 bis 5.35 GHz und 5.47 bis 5.725 GHz ergeben zusammen 455 MHz. Im 6-GHz-Band sind es 480 MHz am Stück, und das ist die eigentliche Neuerung — ein zusammenhängender Block, in dem breite Kanäle nebeneinander Platz haben, ohne dass sie sich überlappen. Ein 160 MHz breiter Kanal belegt darin ein Drittel des Bandes; wer noch breiter fährt, hat entsprechend weniger Nachbarplätze.
Nur: Das Gerät muss das Band überhaupt können. Das Apple TV 4K nennt in seinen technischen Daten WLAN 6 (802.11ax) mit 2x2 MIMO. Der Google TV Streamer nennt WLAN 802.11ac mit 2.4 und 5 GHz — 6 GHz steht dort nicht. Bevor du wegen des 6-GHz-Bandes einen neuen Router kaufst, lohnt sich der Blick ins Datenblatt des Gerätes, das am Ende streamen soll.
Wann Kabel oder Mesh mehr bringen als jede WLAN-Einstellung
- Kabel, wenn der Fernseher fest steht. Ein einzelner grosser Stream über zwei Stunden ist der Fall, in dem Funk am wenigsten bringt und ein Kabel am wenigsten kostet. Zattoo empfiehlt für die stabile Übertragung auf dem grossen Bildschirm ausdrücklich LAN. Der Google TV Streamer hat einen Anschluss mit 10/100/1000 Mbit/s eingebaut; beim Apple TV 4K gibt es Gigabit Ethernet nur im Modell mit 128 GB.
- Mesh, wenn zwischen Router und Gerät eine Betondecke oder zwei Wände liegen und Kabel nicht in Frage kommen. Entscheidend ist dann, wie die Stationen untereinander verbunden sind — läuft die Verbindung zwischen ihnen über dasselbe Band wie die zum Gerät, halbiert sich der nutzbare Durchsatz an dieser Stelle.
- Nicht am Kanal drehen, wenn die Verbindung nah am Router gut und weiter weg schlecht ist: Das ist ein Reichweiten- und kein Belegungsproblem.
Wie du selbst misst
Vier Schritte, die keine Zusatzsoftware brauchen und in dieser Reihenfolge Sinn ergeben:
- Miss dort, wo der Fernseher steht, nicht am Router und nicht am Laptop im Büro. Netflix nennt für Fernseher und angeschlossene Geräte den Weg über die Netflix-App: Menü öffnen, Hilfe wählen, «Netzwerk überprüfen».
- Miss im Browser über Fast.com, wenn es um Smartphone, Tablet oder Computer geht — das ist der von Netflix genannte Weg.
- Vergleich Funk gegen Kabel am selben Ort. Steck das Gerät einmal ans Kabel und wiederhole dieselbe Messung. Ist der Unterschied gross, liegt die Engstelle im Funk und nicht am Anschluss.
- Miss zur Fehlerzeit, nicht am Nachmittag. Ein Aussetzer um 20 Uhr ist um 14 Uhr nicht messbar, und ein Mittelwert über zehn Sekunden verdeckt genau die eine Sekunde, in der das Bild gestockt hat.
Im Forum steht der lange Strang dazu, wie sich hohe Anschlussleistungen über WLAN tatsächlich verhalten — mit Messungen von Leuten, die dieselbe Rechnung schon gemacht haben.
Was heisst das für dich
Nimm zuerst die Zahl, die dein Dienst selbst nennt, und halte sie gegen das, was am Fernseher ankommt: 15 Mbit/s für 4K bei Netflix, 8 Mbit/s für Full HD bei Zattoo. Liegt die Messung am Gerät deutlich darüber und ruckelt es trotzdem, ist es kein Bandbreiten-, sondern ein Stabilitätsproblem — dann sind Kanalwechsel, DFS und die Bandwahl die Baustelle, nicht das Abo. Steht der Fernseher fest, ist ein Kabel die Massnahme mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Und bevor du ein Gerät wegen des 6-GHz-Bandes ersetzt: Prüf im Datenblatt, ob dein Empfänger dieses Band überhaupt nutzt, und beachte, dass die starke Kategorie darin nach BAKOM ausschliesslich im Gebäudeinneren arbeiten darf.
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Quellen
- BAKOM, WLAN / RLAN — vier konzessionsfreie Frequenzbänder, Grenzen und Sendeleistungen für 2.4 GHz, das untere und obere 5-GHz-Band sowie das 6-GHz-Band von 5.945 bis 6.425 GHz mit den Kategorien Low Power Indoor (200 mW e.i.r.p., nur drinnen, nicht in Fahrzeugen) und Very Low Power (25 mW e.i.r.p., auch draussen, nicht in Drohnen), DFS-Pflicht in beiden 5-GHz-Bändern, Verantwortung bei Eigenimport, Schnittstellenanforderungen RIR1010-01, -04, -05 und -11
- Netflix, empfohlene Internetgeschwindigkeiten — 3 Mbit/s für HD 720p, 5 Mbit/s für Full HD 1080p, 15 Mbit/s für Ultra High Definition in 4K sowie die beiden Wege zur Messung über Fast.com und über die Netzwerkprüfung in der App
- Zattoo, Internet-Voraussetzungen — ausgelieferte Bitraten von 3, 5 und 8 Mbit/s, fehlender Puffer bei Echtzeitübertragung, empfohlene Anschlussbandbreiten je Abo und die Empfehlung einer LAN-Verbindung für den grossen Bildschirm
- Apple, Filme mit 4K, HDR, Dolby Vision oder Dolby Atmos finden — als Voraussetzung wird eine ausreichend schnelle Internetverbindung genannt, ohne Zahlenangabe
- Apple, technische Daten zum Apple TV 4K — WLAN 6 (802.11ax) mit 2x2 MIMO, Gigabit Ethernet nur im Modell mit 128 GB
- Google Store Schweiz, technische Daten zum Google TV Streamer — WLAN 802.11ac mit 2.4 und 5 GHz, Ethernet mit 10/100/1000 Mbit/s
- Verordnung über Fernmeldedienste (FDV), SR 784.101.1 — Art. 15 zum Leistungsumfang der Grundversorgung mit 10/1 und 80/8 Mbit/s