Die Diskussion, ob die Schweiz ein christliches Land ist oder nicht, finde ich sehr spannend, wenn auch etwas OT ;-) Historisch gesehen ist die moderne Schweiz ein Produkt der französischen Revolution und der Aufklärung. Diese hat sich explizit vom "reinen" Glauben abgewandt hin zu einer philosophischen Erkenntnistheorie, exakten Wissenschaften und der Vernunft. Gerade Voltaire, vielleicht grösster Denker der Aufklärung, hat sich zeitlebens gegen die katholische Kirche gewandt. Bös gesagt mussten sämtliche Fortschritte, die uns aus dem düsteren Mittelalter geführt haben, gegen die Kirche erkämpft werden. Übrigens müsste korrekterweise jeder, der die Schweiz als christlich bezeichnet, auch explizit erwähnen, dass es sich dabei seit 1848 um eine protestantisch-christliche Schweiz handelt, schliesslich mussten erst die Katholiken "besiegt" werden, bevor der moderne Bundesstaat entstehen konnte (Stichworte Sonderbundskrieg, Jesuitenverbot etc.). Zwar gibt es in der Schweiz eine christliche Mehrheit auf dem Papier, aber ich behaupte jetzt einfach einmal, das würde sich schlagartig ändern, wenn man aktiv in die Kirche eintreten und nicht austreten müsste.
Ich will niemanden beurteilen, der gläubig ist, das steht mir ebenso wenig zu wie einem gläubigen Christen die Wertung einer anderen Weltanschauung. Fakt ist einfach, dass im Zusammenhang mit der von der SVP beschworenen "christlichen Leitkultur" unter den Teppich gekehrt wird, dass das Leben für grosse Teile der Bevölkerung erst massiv an Qualität gewonnen hat, seit die Macht der Kirche massiv beschnitten wurde. Die Jahre vor der Aufklärung waren auch in der Schweiz Jahre der Unterdrückung (katholische Schweizer unterdrückten protestantische Schweizer und umgekehrt) und der Religionskriege. Mit den vielgepriesenen christlichen Werten hatte das Leben in der religiös geprägten Schweiz vor 1848 überhaupt nichts zu tun.
Ich will niemanden beurteilen, der gläubig ist, das steht mir ebenso wenig zu wie einem gläubigen Christen die Wertung einer anderen Weltanschauung. Fakt ist einfach, dass im Zusammenhang mit der von der SVP beschworenen "christlichen Leitkultur" unter den Teppich gekehrt wird, dass das Leben für grosse Teile der Bevölkerung erst massiv an Qualität gewonnen hat, seit die Macht der Kirche massiv beschnitten wurde. Die Jahre vor der Aufklärung waren auch in der Schweiz Jahre der Unterdrückung (katholische Schweizer unterdrückten protestantische Schweizer und umgekehrt) und der Religionskriege. Mit den vielgepriesenen christlichen Werten hatte das Leben in der religiös geprägten Schweiz vor 1848 überhaupt nichts zu tun.




