Zum Inhalt springen
Heimkino & Ausrüstung

Fernseher-Stromverbrauch: was er im Jahr wirklich kostet

Was auf der Energieetikette steht, warum HDR den Verbrauch verdoppelt und was ein grosser Fernseher bei Schweizer Strompreisen im Jahr wirklich kostet.

Redaktionnachgeführt 8 Min. Lesezeit

Energieetikette an einem Fernseher im Ladenregal, mit der Skala von A bis G und der Verbrauchsangabe in Kilowattstunden

Im Laden stehen zwei Fernseher nebeneinander, gleich gross, gleiche Auflösung, 300 Franken Preisunterschied. Auf beiden klebt eine Energieetikette, auf der einen steht F, auf der anderen ebenfalls F — und darunter zwei verschiedene Zahlen in Kilowattstunden. Der Fernseher-Stromverbrauch entscheidet sich genau an dieser zweiten Zahl, und sie ist die einzige auf der Etikette, mit der du rechnen kannst.

Kurzantwort

  • Die Zahl, auf die es ankommt, ist «kWh/1000h» — der Verbrauch über 1’000 Betriebsstunden. Die Buchstabenklasse ist nur ihre Zusammenfassung.
  • Die Etikette nennt zwei Werte: einen für SDR-Inhalte und einen für den HDR-Modus. Im HDR-Modus kann sich der Verbrauch verdoppeln.
  • Grösse schlägt alles: Bei doppelter Bildschirmdiagonale steigt der Verbrauch um fast das Vierfache, UHD-4K kostet gegenüber HD derselben Grösse rund 30 Prozent mehr.
  • Ein 75-Zoll-Gerät der Klasse F kostet im HDR-Betrieb rund 100 Franken Strom im Jahr — gerechnet mit dem Schweizer Medianpreis von 27.7 Rappen je Kilowattstunde und 1’500 Betriebsstunden. Stand August 2026.
  • Die Klasse sagt nichts über die Zulassung. Auch Geräte der Klasse G dürfen verkauft werden; die Zulassungsschwelle steht in einer anderen Verordnung und rechnet anders.

Was auf der Energieetikette tatsächlich steht

Die Schweiz hat die europäischen Vorgaben zu elektronischen Displays in der Energieeffizienzverordnung (EnEV, SR 730.02) übernommen — Anhang 1.12 verweist dafür ausdrücklich auf die beiden EU-Verordnungen. Zwei Regelwerke greifen dabei ineinander: die Ökodesign-Verordnung, die bestimmt, was überhaupt verkauft werden darf, und die Energiekennzeichnungs-Verordnung, die bestimmt, was auf der Etikette steht.

Auf der Etikette findest du:

  • Name oder Marke der Herstellerin und die Modellbezeichnung
  • die Skala der Effizienzklassen von A bis G und die Klasse des Geräts
  • den Verbrauch im Ein-Zustand in kWh je 1’000 Stunden bei SDR-Inhalten
  • weiter unten Klasse und Verbrauch für den HDR-Modus, sofern das Gerät ihn hat
  • die sichtbare Bildschirmdiagonale in Zentimeter und Zoll sowie die Auflösung in Pixel
  • einen QR-Code zur europäischen Produktdatenbank — dessen Angabe ist in der Schweiz freiwillig

Die Klassengrenzen ergeben sich aus dem Energieeffizienzindex des Labels:

KlasseEnergieeffizienzindex (EEI Label)
Aunter 0,30
B0,30 bis unter 0,40
C0,40 bis unter 0,50
D0,50 bis unter 0,60
E0,60 bis unter 0,75
F0,75 bis unter 0,90
Gab 0,90

⚠ Der Index des Labels ist nicht derselbe wie der Index der Ökodesign-Verordnung. Verkauft werden darf ein Display, wenn sein Ökodesign-Index unter 0,75 liegt (Auflösung bis HD) beziehungsweise unter 0,9 (Auflösung über HD, etwa UHD-4K, sowie Mikro-LED). Aus der Etikettenklasse lässt sich das nicht ablesen — deshalb stehen im Laden Geräte aller Klassen nebeneinander, und keines davon ist deswegen unzulässig.

Die drei Grössen, die den Verbrauch bestimmen

Das BFE nennt sie in dieser Reihenfolge, und die Reihenfolge stimmt mit dem überein, was in der Rechnung ankommt:

  1. Die Bildschirmdiagonale. Verdoppelt sie sich, steigt der Stromverbrauch um fast das Vierfache. Das ist der mit Abstand grösste Hebel — grösser als jede Klassenverbesserung.
  2. Die Auflösung. Ein UHD-4K-Gerät verbraucht rund 30 Prozent mehr als ein HD-Gerät derselben Grösse.
  3. Der Nutzungsmodus. Im HDR-Modus kann ein Gerät doppelt so viel verbrauchen wie bei SDR-Inhalten.

Was der Fernseher-Stromverbrauch in Franken heisst

Das BFE-Faktenblatt rechnet selbst vor. Seine Annahmen stehen ausdrücklich dabei: 1’500 Betriebsstunden pro Jahr, acht Jahre Lebensdauer, 30 Rappen je Kilowattstunde.

GerätKlasseModusVerbrauch je 1’000 hStromkosten über 8 Jahre (BFE, 30 Rp.)
Monitor HD, 68 cm (27 Zoll)CSDR14 kWh50 Fr.
Monitor HD, 68 cm (27 Zoll)FSDR26 kWh94 Fr.
Fernseher UHD-4K, 108 cm (43 Zoll)FSDR50 kWh180 Fr.
Fernseher UHD-4K, 108 cm (43 Zoll)FHDR100 kWh360 Fr.
Fernseher UHD-4K, 189 cm (75 Zoll)FSDR120 kWh432 Fr.
Fernseher UHD-4K, 189 cm (75 Zoll)FHDR240 kWh864 Fr.

⚠ Für Fernsehgeräte führt das Faktenblatt nur die Klasse F auf. Eine belegte Vergleichszahl für einen Fernseher der Klasse C steht dort nicht, und sie steht deshalb auch hier nicht.

Der Strompreis in dieser Tabelle ist eine Annahme des Bundes, kein Schweizer Durchschnitt. Rechnen wir mit dem tatsächlichen Wert: Für 2026 zahlt ein typischer Haushalt mit 4’500 kWh Jahresverbrauch nach der Erhebung der ElCom im Median 27.7 Rappen je Kilowattstunde, das entspricht einer Jahresrechnung von 1’247 Franken. Damit ergibt sich als Rechenbeispiel — gleiche Nutzung, gleicher Verbrauchswert, nur der Preis ausgetauscht:

Gerät und ModusVerbrauch je Jahr bei 1’500 hKosten je JahrKosten über 8 Jahre
43 Zoll, Klasse F, SDR75 kWhrund 21 Fr.rund 166 Fr.
43 Zoll, Klasse F, HDR150 kWhrund 42 Fr.rund 332 Fr.
75 Zoll, Klasse F, SDR180 kWhrund 50 Fr.rund 399 Fr.
75 Zoll, Klasse F, HDR360 kWhrund 100 Fr.rund 798 Fr.

Zwei Dinge liest man daraus heraus. Erstens: Zwischen dem kleineren Gerät im SDR-Betrieb und dem grossen im HDR-Betrieb liegen über acht Jahre mehr als 600 Franken — das ist die Grössenordnung eines zusätzlichen Geräts. Zweitens: Die absolute Zahl bleibt überschaubar. Wer den Fernseher wegen 20 Franken im Jahr ersetzt, rechnet die Herstellung des neuen Geräts nicht mit — und genau davor warnt EnergieSchweiz: Bei Unterhaltungsgeräten ist der Energieverbrauch über den Lebenszyklus geringer als die graue Energie für Produktion und Transport.

Zur Einordnung des Ganzen: In Schweizer Haushalten stehen laut EnergieSchweiz rund 4.6 Millionen Fernsehgeräte, und die Unterhaltungselektronik macht 12 bis 15 Prozent des gesamten Stromverbrauchs eines Haushalts aus. Die grössten Posten darin sind Fernsehgeräte, Set-Top-Boxen, Router und Spielkonsolen — der Fernseher ist also nur der sichtbarste von vieren.

⛔ Dein eigener Tarif kann deutlich abweichen. Die ElCom weist ausdrücklich darauf hin, dass die Tarife zwischen den rund 590 Netzbetreibern zum Teil erheblich variieren. Der Medianwert ist eine Rechengrundlage, nicht deine Rechnung.

Wie du deinen eigenen Wert ausrechnest

Die Formel braucht drei Zahlen, und alle drei hast du:

  1. Verbrauch je 1’000 Stunden von der Energieetikette, in der Zeile für den Modus, den du tatsächlich nutzt.
  2. Deine Betriebsstunden im Jahr. Zwei Stunden am Tag sind rund 730 Stunden, vier Stunden rund 1’460. Das BFE rechnet mit 1’500.
  3. Dein Strompreis in Rappen je Kilowattstunde, direkt von deiner Stromrechnung.

Verbrauch je 1’000 Stunden geteilt durch 1’000, mal deine Stunden, mal deinen Preis. Beispiel: 100 kWh je 1’000 Stunden, 1’000 Stunden Nutzung, 27.7 Rappen ergibt 27.70 Franken im Jahr.

Was diese Rechnung nicht abdeckt: den Verbrauch im Bereitschaftsbetrieb, den Verbrauch angeschlossener Geräte wie Set-Top-Box oder Spielkonsole und die Wirkung deiner eigenen Bildeinstellungen. Der Etikettenwert ist ein Messwert in einem definierten Modus. Wer die Helligkeit dauerhaft auf Maximum stellt, verlässt diesen Modus.

Was heisst das für dich

Nimm beim Kauf die Zahl in Kilowattstunden, nicht den Buchstaben — und nimm die Zeile für den Modus, in dem du wirklich schaust. Wenn du überwiegend HDR-Material siehst, ist der obere Wert auf der Etikette für dich die falsche Zahl. Beim Grössenentscheid lohnt sich der Blick auf beide Seiten: Von 43 auf 75 Zoll kostet dich der Strom über acht Jahre rund 230 Franken mehr im SDR-Betrieb, und der Aufpreis beim Gerät ist meist der grössere Posten. Und bevor du wegen des Verbrauchs ein funktionierendes Gerät ersetzt: Rechne die Differenz aus, sie liegt bei üblichen Nutzungszeiten im Bereich von wenigen Dutzend Franken im Jahr. Ob dir das den Wechsel wert ist, entscheidest du.

Weiterlesen

Quellen

  • EnergieSchweiz/BFE, Faktenblatt «Anforderungen für Elektronische Displays», Juni 2024 — Aufbau der Energieetikette, Klassengrenzen des EEI Label, Ökodesign-Schwellen 0,75 und 0,9, Verbrauchs- und Kostentabelle mit den Annahmen 1’500 Stunden, acht Jahre und 30 Rappen, Faustregeln zu Diagonale, Auflösung und HDR, Ersatzteilpflicht von sieben Jahren
  • EnergieSchweiz, Unterhaltungselektronik — rund 4.6 Millionen Fernsehgeräte in Schweizer Haushalten, Anteil der Unterhaltungselektronik von 12 bis 15 Prozent am Haushaltsstrom, grösste Einzelposten und der Hinweis auf die graue Energie gegenüber dem Betriebsverbrauch
  • ElCom/SBFI, Leicht sinkende Strompreise 2026 — Medianhaushalt 27.7 Rappen je Kilowattstunde, Verbrauchsprofil H4 mit 4’500 kWh und 1’247 Franken Jahresrechnung, rund 590 Netzbetreiber mit zum Teil erheblichen Unterschieden
  • Energieeffizienzverordnung (EnEV), SR 730.02 — Anhang 1.12 «Anforderungen an die Energieeffizienz und an das Inverkehrbringen und Abgeben von elektronischen Displays»: die Rechtsgrundlage, mit der die Schweiz die beiden europäischen Verordnungen zu Ökodesign und Energiekennzeichnung übernimmt