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Netzneutralität: Schweizer ICT-Unternehmen Unterzeichnen Kodex

51 Antworten12'912 AufrufeGestartet von olifaessler ·

vagzubi1'319 Beiträge
bearbeitet #21
"Yplay ein Gigabit Angebot für unter 100 Franken an den Mann bringen können?"Yplay und Solnet ein Gigabit Angebot für unter 100 Franken an den Mann bringen können?

Kein Ahnung in welchem Gebiet das Angeboten gilt. Hier nicht, hier will Yplay für 100/100 Fr. 139.-- und mehr Geschwindigkeit geht nicht.
ImageUploadedByDigi-TV.ch1415737969.003712.jpgWohl eine Reaktion auf Fiber7

Snowman410'415 Beiträge
#22
ImageUploadedByDigi-TV.ch1415737969.003712.jpg

Wohl eine Reaktion auf Fiber7
Dieses Angebot gab es wahrscheinlich nur auf dem eigenen Netz, hier bei uns nicht.

Waudiz570 Beiträge
#23
Ich war in den DSL-Anfangszeiten lange genug (mehrere Jahre) bei Solnet, um zu wissen, was Überbuchung ist. Vielleicht ist es mittlerweile anders, das wüsste ich zugegebenermassen nicht.

Aber jetzt mal Hand aufs Herz: Wer von euch glaubt, dass es langfristig Netzneutralität geben wird? Ich jedenfalls gehöre nicht dazu. Im Gegenteil rechne ich damit, dass spätestens mit der grossflächigen Umstellung auf IPv6 mehr denn je Traffic unterschieden und auch unterschiedlich behandelt werden wird. Soweit ich weiss sind jedenfalls in IPv6 mehr QoS-Abstufungen denn je vorgesehen. Da muss man wohl kein Prophet sein, um zu sagen, dass diese Funktionalität früher oder später auch genutzt werden wird.

Nochmals: Ich habe noch kein "unlimited" Angebot gesehen, das wirklich gehalten hat, was es versprach. Es ist zwar eine andere Sparte, aber ich hatte z.B. nun etwa 2 Jahre lang Cloudspeicher von Bitcasa - unlimitierte Kapazität. Vor einigen Wochen flattert ein E-Mail rein, dass man alle Daten auf diesem Dienst sofort sichern solle, das unlimited wird per Mitte November abgeschafft. Maximal bekommt man nun noch 10 TB für 99 USD / Monat. Früher war es 99 USD für ein Jahr lang "unlimited".

Eigentlich dachte ich ja damals schon, dass die Rechnung nicht aufgehen kann, aber ich war bereit, mich eines besseren belehren zu lassen. Nun, diese Belehrung hat (leider) nicht stattgefunden. Und wenn ich so zurückdenke, seit ich auf dem Internet bin (das sind nun doch schon 21 Jahre), ich habe da viele Dienste kommen und vor allem auch wieder gehen sehen, die nicht minder wolkige Versprechen gemacht haben. Auch ein anderer von mir genutzter "unlimitierter" Cloudspeicher, der einst als "Ferienbild" angefangen hatte, danach "Snapmania" wurde: Es gibt ihn seit Juni dieses Jahres nicht mehr.

Ich arbeite weder bei einem ISP noch einem Content-Provider noch habe ich Freunde oder Verwandte oder irgendwelche Anteile dabei. Zwar mag man teilweise wirklich hinterfragen, ob die Löhne in der Teppichetage gerechtfertigt sind oder nicht. Aber die pauschale Aburteilung, dass es einfach darum geht, dass gewisse Leute/Firmen den Hals nicht voll kriegen, ist mir dann doch zu einfach. Ich möchte noch sehen, wer wirklich bereit wäre, eine Infrastruktur aufzubauen und diese dann einfach allen, eben ganz neutral zur Verfügung zu stellen. Insbesondere dann, wenn er weiss, dass einige Big Players einen Haufen Geld scheffeln, weil sie auch die von einem selbst bereitgestellte Infrastruktur gratis mitbenutzen dürfen. Die Wartung und der Ausbau der Infrastruktur, z.B. die Einführung neuer Technologien wie Vectoring, vor allem aber die Erschliessung mit FTTH, sind ja auch nicht gratis. Analoges gilt bei den Kablern auch. Und es ist ja nicht damit getan, dass man z.B. 1000 Wohnungen einfach mal anschliesst, man muss dann auch die nötigen Kapazitäten vorhalten, wenn diese 1000 Anschlüsse wirklich mal etwas Gas geben. Was passiert, wenn man das nicht tut, hat man vor allem in früheren Jahren jeweils sehr gut bei Cablecom-Speederhöhungen gesehen...

Wenn nun die Politik die Netzneutralität erzwingt, die Wurst also nur noch von einer Seite angeschnitten werden darf, dann wird das einfach dafür sorgen, dass die Durchschnittspreise ganz allgemein steigen. Dann bezahlen einfach alle mehr. Solche politischen Interventionen haben unter dem Strich noch selten das gebracht, was man sich davon versprochen hat. Ich kann mich erinnern, als ich in Holland lebte, gab es dort ein Politdebatte, dass ein Anruf aufs Mobilnetz nicht mehr kosten dürfe als einer aufs Festnetz. Die Konsequenz war, dass zwar der Tarif für Anrufe aufs Mobilnetz demjengigen für Anrufe aufs Festnetz angeglichen wurde, aber nicht ohne dass letzterer angehoben wurde.

doom2'266 Beiträge
#24
Und das Solnet Angebot hier/url] Auch ich war 7.5 Jahren Solnet Opfer und hatte meine Konsumation schon seit Jahren auf die "off hours" eingestellt da Solnet so massiv überbucht hat. Aber, man darf nicht vergessen dass die extreme Überbuchung zu den DSL Anfangszeiten auch etwas mit den völlig überteuerten Backhaul Preisen der Swisscom zu tun hatten (Nein, das Verhalten von Solnet entschuldigt das nicht - Gigabit werde ich bei Init7 beziehen sobald das bei mir möglich ist). Diese Backhaul Preise waren nie marktgerecht, sondern Swisscom hat ihr Monopol einfach gnadenlos ausgenutzt. Wenn du aber wie die 3 angesprochenen Gigabit Anbieter die dark Fibre selber anbindest, hast du eine ganz andere Kostenrechnung. Zentral ist da der Preis der Fibre, und die Telefonzentrale an deinen nächsten POP anzubinden. Würde das die Welt kosten, wären die 65 Franken Angebote sicher nicht möglich (natürlich wird es nicht gratis sein und sicher mehr als die Anbindung DC => Internet) - nur leider sind diese Angebote nur B2B und Preislisten sind in dem Bereich extrem schwer zu bekommen.


Aber - um ein anderes Beispiel zu nehmen um diese Anbindungen ans eigene Netz ein bisschen zu umschreiben - Seit 2 Jahren wird in der Schweiz 4G gebaut. Mit 100 (Cat3, Sunrise) bzw Cat4 (Swisscom, Orange) und dem kommenden LTE Advanced gibts nur eins - die Antennen müssen mit Fibre an den Backbone der Carrier angebunden werden. Sprich, es ist nicht getan mit ein paar Antennen austauschen - sondern du musst da jetzt dick Fasern verlegen (Anbindung via Mikrowellen sind möglich aber kosten anscheinend in Funktion der Bandbreite, d.h. je schneller das Netz, desto attraktiver die Anbindung mit Glasfaser). D.h. über das ganze Land wird jetzt gerade ein schöner Fibre Backbone gespannt - und nicht nur in den grössten Städten, sondern bis nach Hinterpfupfigen wenn es dort ein 4G Signal geben soll. Und dieses Netz muss ja nicht nur Daten fürs Mobilnetz transportieren.... sondern das schafft auch gute Voraussetzungen für schnellere Kabelgebundene Anbindungen, und die Kosten für den Ausbau lassen sich auf 2 Produkteklassen teilen. 


 


@Waudiz: Magst du dich noch an den Preis deines ersten DSL Abos erinneren? Ich glaube bei mir war das im Sommer 2001 (vorher hatte ich in Stockholm billiger 2.5/0.7 mbit..) 256/64kbit für 49.- bei Tiscali (Plus Telefonanschluss). Und was kostet das Einsteigerabo heute? DSL Mini 34.- plus Telefonanschluss, oder 54.- für Vivo light. Bei CC 45.- plus Kabelgebühr, bei QL 35.- plus Kabelgebühr. Bei Sunrise: 40.-  Oder anders gesagt - der Durchschnittspreis des Internet Starterangebotes hat sich nicht gross verändert, nur die Leistung ist merklich gestiegen. Ich wage zu behaupten dass dies auch die nächsten 10 Jahre so sein wird - trotz Glasfaserausbau und trotz Zunahme des Bandbreitenbedarfes, ganz unabhängig davon welcher Traffic Anteil Streaming Video ausmachen wird. Und egal ob mit oder ohne gesetzlich verankerte Netzneutralität - der Unterschied ist dort nur ob es die Provider wagen werden uns mehr zu schröpfen. Das Beispiel Netflix in den USA hat sehr gut gezeigt wozu die Gier der Provider führt. Netflix hat Comcast, Verizon und AT&T angeboten eine direkte Anbindung zu legen (kleinere Provider haben dort mitgemacht), d.h. die Kosten für die erwähnten Provider wären gering gewesen. Das Ding nennt sich http://arstechnica.com/information-...ed-plan-to-eliminate-video-playback-problems/OpenConnect und die meisten Provider sind da mit angeschlossen. D.h. Netflix bezahlt durchaus Geld um den Traffic zu den Kunden zu bringen, und das nicht zu knapp. Aber eben - den grossen Providern in den USA ist es ein Dorn im Auge dass Netflix mit ihrem eigenen Angebot konkurrenziert, und so legen sie Netflix halt Steine in den Weg.


 


Der freie Markt könnte das vielleicht regeln wenn es einen gäbe, aber die USA ist ja Paradebeispiel für einen nicht funktionierenden Breitbandmarkt. In der Schweiz sind wir leider auch nicht viel besser - es gibt das Telefonnetz und das Kabelnetz und wer Pech hat, kriegt nur eines von den beiden (oder nur eines in ansprechender Geschwindigkeit). Dank den EWs kommt da ein bisschen Bewegung ins Ganze, aber auch hier laufen wir in Gefahr das Swisscom und die Kabler Third Party Produkte als Kokurrenz zum eigenen Angebot sehen und einen auf "wäre dumm wenn euer Traffic plötzlich nicht mehr unterbruchsfrei beim Kunden ankommt" machen. Genau um diese Möglichkeit geht es bei der ganzen Geschichte. Man will einer Regulierung vorbeugen, und sich die Möglichkeit offenlassen unbeliebte Dienste auszubremsen (davon steht ja nix.. man kann also einfach die Links vollaufen lassen und dann sagen "oops.. wir haben gerade keine Zeit/Geld/Platz, Pech gehabt" und bremst damit die unbeliebte Konkurrenz aus) oder dort zusätzlich mitzuverdienen. 


 


Das es auch anders geht, auch im Gigabit Zeitalter, demonstriert Init7. Die Aussagen zum Thema Netflix müssen dort drauf hindeuten dass sie bei OpenConnect mitmachen.


 


Zusätzlich würde dieser vom Diensteanbieter bezahlte "bessere Kanal" zum Kunden auch dazu führen dass Startup Dienste gar keine Chance mehr haben. Wie soll ein kleiner Dienst der ein einem neuen Markt Fuss fassen will, erstmals die Provider schmieren können um überhaupt zum Kunden zu kommen? Ich wage zu behaupten wenn die Provider zu Anfangszeiten von Netflix, Youtube, Hulu, Pandora, Spotify, rdio und wie sie alle heissen von Anfang an das miese Netflix Spiel gespielt hätten, es gäbe heute keine solchen Angebote mehr ausser diejenigen vom jeweils eigenen Provider. 

+los152 Beiträge
#25
diese entwicklung zeigt doch immer deutlicher, dass das betreiben der netze und das anbieten von inhalten getrennt werden müssen.

doom2'266 Beiträge
#26
Es gibt noch andere Gründe wieso sich die Provider die Möglichkeit unbeliebten Konkurrenten ans Bein zu pinklen offenhalten wollen:

Die Telefonieangebote der Kabler seit eh und je, und bis 2017 auch alle Telefonienagebote übers Kupfernetz sind IP basiert und die Anbieter stellen mit QoS die Dienstqualität sicher. Die IPTV Angebote, VOD, ReplayTV, all das ist auch IP basiert und auch dort kommt QoS zum Einsatz.

Eine strikte Netzneutralitätsregulierung würde bedeuten, dass die Anbieter ihre on top Dienste (die gerade erwähnten) nicht mehr separat behandeln dürfen. Damit verbunden ist ein Wegfallen eines Wettbewerbsvorteiles (für Videodienste bedeutet das tendentiell mehr Buffering, und damit mehr Delays (der eine oder andere wird sich an die Delay Statistik von TV zur WM erinnern.. die Dienste aus dem Internet haben den höchsten Delay)). Um die Qualität zu garantieren, müssten die Anbieter dann auch sicherstellen dass sie zu keiner Zeit in irgend einer Form einen Bandbreitenengpass in irgend einem Netzsegment haben - d.h. tiefere Overboking Faktoren, und höhere Investitionen).

Last but not least - ich sucher immer noch die Zahlen zum Thema Kosten von Backhaul vs. Bandbreite. Wenn ich das richtig im Kopf habe, sinken die Kosten in den Vorleistungsprodukten stärker als die Bandbreite zunimmt (ohne die letzte Meile).

Gelöschtes Mitglied 757
#27
Die Kabelnetze vor der Docsis 3.0 Einführung lassen sich nicht mehr mit den heutigen Netzen vergleichen.

Damals war die Kapazität ganz klar begrenzt und die Erweiterung umständlicher und um ein Vielfaches teurer. Inzwischen schaltet man in den Netzen alleine im Docsis-Bereich um die 1200MBit/s Gesamtkapazität. Die Frage der Überbuchung ist bei weitem nicht mehr so brissant wie damals.

Klar wird noch immer priorisiert, aber machen diese 1-5Mbit/s an Festnetztelefonie bei 1200MBit/s überhaupt noch was aus? Zudem wächst der Anteil an Telefonie nicht, im Gegensatz zur Gesamtkapazität.

Klar ist auch, warum die eigenen VOD Angebote priorisiert werden. Weil man es kann und weil man hier die Netzauslastung noch berechnen kann. Hingegen wäre eine Netzberechnung kaum möglich wenn sämtliche Anbieter gleich berechtigt wären. Wer wäre glücklich, wenn zu Zeiten eines IOS Releases oder einen Windows SP plötzlich alles in die Knie geht?

Meiner Meinung nach würden die Abopreise bei einer Nichtpriorisierung steigen, da für die Sicherstellung der eigenen Dienste eine grössere Reserve eingerechnet werden müsste.

robi6'764 Beiträge
#28
Es gibt noch andere Gründe wieso sich die Provider die Möglichkeit unbeliebten Konkurrenten ans Bein zu pinklen offenhalten wollen:

Die Telefonieangebote der Kabler seit eh und je, und bis 2017 auch alle Telefonienagebote übers Kupfernetz sind IP basiert und die Anbieter stellen mit QoS die Dienstqualität sicher. Die IPTV Angebote, VOD, ReplayTV, all das ist auch IP basiert und auch dort kommt QoS zum Einsatz.

Eine strikte Netzneutralitätsregulierung würde bedeuten, dass die Anbieter ihre on top Dienste (die gerade erwähnten) nicht mehr separat behandeln dürfen.
Du irrst schon wieder: Die Telefonie- und TV-Angebote laufen NICHT via Internet, sondern über IP. Das Internet kann reguliert werden wie es will, das betrifft die Angebote der Provider NICHT, da diese zwar auf dem selben Kabel, aber eben nicht via Internet zum Kunden gebracht werden. Eine Priorisierung findet also höchstens zwischen verschiedenen Netzen, aber nicht innerhalb eines Netzes statt. Die Netzneutralität betrifft ausschliesslich den Internet-Traffic.

Waudiz570 Beiträge
bearbeitet #29
Ich habe hier ein sehr schönes, nostalgisches Dokument ausgegraben:

http://www.news.admin.ch/NSBSubscriber/message/attachments/1317.pdf

Wer damals nicht schon dabei war, macht sich vielleicht gar keine Vorstellung über die Preise, die in der Frühzeit des Internets herrschten. Ich habe so manches probiert in meiner "Karriere": Analog, ISDN, ADSL, VDSL, Cable, Fibre, Internet via Mobile. Fast nichts, was ich nicht gehabt hätte, hatte zeitweise drei Provider gleichzeitig, da ich zwei Telefonanschlüsse hatte plus Kabel-TV.

Für weniger Geld als damals 2 mbit/s via DSL kosteten (reine Internet-Zugangskosten ohne Telefon, geschweige denn TV), gibt es heute (wo Glasfaser verfügbar) das Vivo 5* mit 1000/100 mbit/s.

Nochmals: Es ist natürlich nicht so, dass ich mich ums Zahlen reisse. Auch ich habe es gerne günstig, versteht sich von selbst. Trotzdem: Manchmal verstehe ich das Gezetermordio, dass wegen ein paar Franken gemacht wird, die es teurer wird oder auch nur schon werden könnte, z.B. wegen nicht eingehaltener Netzneutralität, nicht wirklich. Wer die vergangenen Zeiten wie ich noch gekannt hat, dem kommt heute wirklich alles wie für geschenkt vor. Man muss ja die Preise von damals mal hochrechnen (Teurung), dann erschrickt man noch viel mehr!

Ich war schon in den Vorzeiten des Internets dabei, als man sich noch auf BBS-Systeme (hierzulande oft "Mailboxen" genannt) einwählte. Das höchste der Netzwerk-Gefühle waren damals Netzwerke wie das populäre FIDO-Net. Bewundernd schaute man zu Leuten auf, die Mailboxen mit 3, 5 oder gar mehreren Dutzend Nodes (=Telefonlinien) betrieben (Hitline im Aargau kommt mir spontan in den Sinn, mit einem Sysop der gleich hiess wie ein heutiger Bundesrat, oder Squirrel in Winterthur). Da konnte man dann sogar mit anderen Usern, die gleichzeitig auf anderen Nodes eingewählt waren, chatten. Wahnsinn! Wer das Feeling der vergangenen Tage noch etwas erahnen will: http://www.warehouse.ch/keller/drea0194.txt

Ich war also auch dabei, als man sich noch mit Telefonmodems ins Internet einwählen musste (nix DSL), und das in den Anfangszeiten noch oft über Umwege. Populär waren etwa Compuserve oder America Online AOL, weil es schlicht noch keine "direkten" Internet-Provider gab. Und die, die es dann irgendwann doch gab, waren aus heutiger Sicht gesehen sehr teuer, da zur Gebühr, die von 50 bis um 100 Franken pro Monat betrug für den Provider auch immer noch die Telefon-Gebühr für die Online-Zeit im Internet dazu kam. Damals schickte man sich halt darin, es gab ja nichts anderes und man war froh, gab es überhaupt eine komfortablere Möglichkeit als über irgendwelche Umwege ins Internet zu gelangen. Damals musste man noch schauen, dass der ausgesuchte Provider auch einen lokalen Einwahlknoten hatte, da es ja damals noch Ortstarif und die verschiedenen Ferntarife gab. Aber da mögen sich wohl wirklich nur noch die erinnern, die schon vor der Liberalisierung des Telecom-Marktes dabei waren. Wer von euch hat noch Mosaic benutzt als Webbrowser? Noch nix Internet Explorer, Netscape/Mozilla, und Google war noch nicht mal gegründet. Die beste Suchmaschine vor Google war Hotbot, und die Konkurrenten hiessen damals Altavista, Lycos, Yahoo.

Ach ja: Man musste auch damals schon aufpassen, da gewisse Angebote Datenvolumen-Limits kannten. Es ist also alles nichts Neues unter der Sonne.

schnuerbel1'837 Beiträge
#30
heise hat vor mehr als einem Jahr die zwölf Irrtümer in Sachen Netzneutralität aufgelistet. Ich empfehle jedem die Lektüre des Artikels - als Einstieg und Basiswissen für die Diskussion.

vagzubi1'319 Beiträge
bearbeitet #31
Ich möchte nur einen kleinen Input geben:

Nach meiner Ansicht ist es normal das Swisscom ihr TV managed. Das ist wohl auch kaum ein stossender Punkt.

Schwieriger wird es dann wenn die Marktmacht dazu genutzt wird konkurrenten aus dem Markt zu drängen. Sei es Provider oder Dienstleister. Es ist klar das Netze bezahlt werden müssen und das auch das anbieten von DL was kosten kann. Es darf aber nicht sein, das die Kosten so hoch angesetzt werden das ein Überleben damit unmöglich wird. Vorallem wenn es um Marktbeherschende Unternehmen geht.

https://www.digitale-gesellschaft.ch/2014/03/07/netzneutralitaet-swisscom-versucht-zweiseitigen-markt-zu-erzwingen/

Ps. Ob alles in dem Link korrekt dargestellt wird kann ich nicht beurteilen aber es ist ein (für mich) eindrückliches Bsp.

Waudiz570 Beiträge
bearbeitet #32
Ob man es als Nutzer des Internets gut findet oder nicht: Aber ich bekenne mich dazu, dass ich verstehe, dass eine Swisscom oder eine Cablecom sagen wir mal nur beschränkt Freude haben an jemandem, der konkurrierende Dienste anbietet. Bei CC kann man dazu noch sagen, dass ein Provider von TV übers Internet nicht weniger als ein Konkurrent ihres Kerngeschäftes ist.

Für SC mag das mit dem Peering nicht so günstig aussehen, aber kann man einer Cablecom per se vorwerfen dass sie die Kapazität der Leitung zur Konkurrenz nicht erhöhen wollen? In wie weit sind/wären sie überhaupt dazu verpflichtet? Ich gebe zu, das sind (juristische) Fragen, in denen ich mich zu wenig auskenne.

Auch ob es wirklich so einfach ist, dass die Provider ihre hohen Speeds nur dank Diensten wie eben Youtube verkaufen können und so gesehen die Betreiber dieser Dienste die hohle Hand machen könnten, weiss ich nicht. Die These scheint mir aber schon etwas gewagt. Zumindest in früheren Jahren hätten die Provider also gar noch an die Piratenbucht & Co. bezahlen sollen, denn wenn ich die mir bekannten Fälle anschaue, dann war da oft nicht Youtube (das ohnehin erst seit es HD-Auflösung gibt und einige Beschränkungen wie z.B. die max. Videolänge gefallen sind, und seit fast jeder ein Smartphone mit halbwegs anständiger Kamera besitzt, so richtig Fahrt aufgenommen hat), sondern waren Tauschbörsen und Oneclick-Hoster und zusehends auch das Usenet das, was viele dazu trieb, mehr Speed haben zu wollen. Wir mögen heute darüber lachen, aber ich weiss noch, dass ich serienweise Installationen von DSL- und Kabelmodems inkl. Anpassungen an den PCs (z.B. mehr Festplattenkapazität, schnellerer Rechner allgemein) hatte, weil die Leute erst Napster und später Edonkey & Co. bis hin zu Torrent wollten. Das haben sie mir damals so gesagt oder mich gar noch gefragt, wie denn das genau gehe mit dem Saugen von Musik und Filmen. Alle waren einfach richtig giggerig drauf.

Und ich denke in Zukunft werden nebst Youtube & Co. auch ganz "normale" Cloud-Speicherdienste die Leute dazu treiben, dass sie höhere Kapazitäten wollen. Bei Microsoft und Google hat man ja jetzt schon "unlimited" Speicherplatz. Dabei muss gar nicht immer der Downstream das Corpus Delicti sein. Aber wenn ich so viel Upstream wie möglich will, dann muss ich im Moment an meinem Wohnort noch das Swisscom-Angebot mit 1gbit/s down wählen, weil ich sonst die 100 mbit/s Upstream schlicht nicht bekommen kann. Könnte jeder genau das bestellen, was er braucht, gäbe es garantiert solche, welche z.B. 200 mbit/s Upstream, aber "nur" 50 Downstream bestellen würden. Insofern könnte sich die Diskussion um Netzneutralität zukünftig auch auf diese Geschäftsfelder ausweiten, quasi in die andere Richtung gehen (Netzneutralität (auch) im Upstream statt "nur" im Downstream, wie derzeit vor allem im Fokus).

Dann gibt es da noch eine ganz andere Netzneutralität (oder eben nicht), wo man halt wieder sieht, wie die Welt nun mal funktioniert, dass man sich nicht gerne freiwillig Konkurrenten aufhalst. Wenn ich an meine alte Wohngemeinde denke, die bis auf weiteres nicht verglasfasert werden wird (darum bin ich ja weggezogen). Da wird mir also von der Gemeinde ganz offiziell mitgeteilt, das TV-Kabelnetz gehöre der Gemeinde, und man habe dem entsprechend nicht das geringste Interesse daran, sich durch den Bau eines Glasfaser-Netzes, noch dazu, wenn die Swisscom ihre Finger im Spiel hätte beim Bau, selber zu konkurrenzieren bzw. zu benachteiligen.

Lobi92 Beiträge
#33
diese entwicklung zeigt doch immer deutlicher, dass das betreiben der netze und das anbieten von inhalten getrennt werden müssen.
Und wie stellst du dir das genau vor? Ich bin auch deiner Meinung habe aber für mich noch keinen guten Ansatz gefunden, der funktioniern würde. /emoticons/default_biggrin.png

vagzubi1'319 Beiträge
#34
Pornostars erklären, wieso Netzneutralität wichtig ist http://www.20min.ch/digital/news/story/21622166

doom2'266 Beiträge
#35
Du irrst schon wieder: Die Telefonie- und TV-Angebote laufen NICHT via Internet, sondern über IP. Das Internet kann reguliert werden wie es will, das betrifft die Angebote der Provider NICHT, da diese zwar auf dem selben Kabel, aber eben nicht via Internet zum Kunden gebracht werden. Eine Priorisierung findet also höchstens zwischen verschiedenen Netzen, aber nicht innerhalb eines Netzes statt. Die Netzneutralität betrifft ausschliesslich den Internet-Traffic.
Deine Interpretation von Netzneutralität ist das eine - wie weit Netzneutralität geht oder gehen sollte, da gibt es verschiedene Meinungen. Der von schnuerbel verlinkte Artikel ist dabei sehr interessant - Punkt 1 zeigt wie es Politiker momentan definieren.Eine Gesetz mit dieser Definition wäre überhaupt nicht im Interesse der Provider. Punkt 3 erwähnt den von mir bereits angesprochenen Interessenkonflikt zwischen providereigenen Angeboten und fremden Angeboten - und zeigt im Schlussparagraph auch wieder wieso Provider sich gegen eine allfällige Regulierung absichern wollen. Die vertikale Desintegration will keiner der double, triple und quadruple play Provider.

robi6'764 Beiträge
#36
Der von schnuerbel verlinkte Artikel ist dabei sehr interessant - Punkt 1 zeigt wie es Politiker momentan definieren.Eine Gesetz mit dieser Definition wäre überhaupt nicht im Interesse der Provider.
Das wäre in niemandem Interesse. Da weist sogar der verlinkte Artikel der ansonsten ja eindeutig Stellung bezieht darauf hin 🙂

doom2'266 Beiträge
#37
Aber genau das macht die Sache eben spannend. Wieviel Netzwerkmanagement ist OK, wo ist die Grenze zwischen erwünschtem Management und antikompetitivem Verhalten, wie soll mit Interessenskonflikten umgegangen werden, ist es OK wenn Provider gewisse Dienste nicht ins Volumenlimit rechnen, usw.

Waudiz570 Beiträge
#38
Am Schluss haben wir dann plötzlich Doppelspurigkeiten, wie es sie im TV-Markt ja durchaus schon gibt. Sender, die in irgend ein Zusatzpaket des eigenen Providers gehören, die aber auch noch in Fremdpaketen (z.B. Teleclub) zu haben wären. Plötzlich gibt es also dann <Name des Lieblingsdienstes> einmal als Version, die vom eigenen Provider abgenommen wird und dann nicht zum Datenvolumen zählt, und einmal z.B. via Direktzugang über den Dienst selbst, was dann sehr wohl zum Volumen angerechnet wird.

Ich weiss etwas auf sicher: Die Fantasie der Geschäftswelt ist grenzenlos und hat sich noch nie allzu sehr um Absurditäten geschert.

vagzubi1'319 Beiträge
#39
Am Schluss haben wir dann plötzlich Doppelspurigkeiten, wie es sie im TV-Markt ja durchaus schon gibt. Sender, die in irgend ein Zusatzpaket des eigenen Providers gehören, die aber auch noch in Fremdpaketen (z.B. Teleclub) zu haben wären. Plötzlich gibt es also dann einmal als Version, die vom eigenen Provider abgenommen wird und dann nicht zum Datenvolumen zählt, und einmal z.B. via Direktzugang über den Dienst selbst, was dann sehr wohl zum Volumen angerechnet wird.

Ich weiss etwas auf sicher: Die Fantasie der Geschäftswelt ist grenzenlos und hat sich noch nie allzu sehr um Absurditäten geschert.
ImageUploadedByDigi-TV.ch1416398833.005465.jpg
Gelöschtes Mitglied 757
#40
Auch bei den Amis ist ja das Thema aktuell. Als Frage in ein Quiz eingebaut:

http://www.pewinternet.org/quiz/web-iq-quiz/

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