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Heimkino & Ausrüstung

HDMI im Heimkino: welches Kabel was trägt und wann Netzwerk besser ist

Welche HDMI-Kabelklasse welche Auflösung trägt, warum die Versionsnummer nichts verspricht, ab wann die Länge stört und wann das Netzwerk der bessere Weg ist.

Redaktionnachgeführt 8 Min. Lesezeit

Rückseite eines Verstärkers mit mehreren beschrifteten HDMI-Anschlüssen und eingesteckten Kabeln

Das Bild bleibt schwarz, obwohl gestern alles lief. Oder der Ton kommt plötzlich nur noch in Stereo, oder der Verstärker schaltet den Fernseher ein, sobald jemand die Spielkonsole startet. Bei einem HDMI-Kabel im Heimkino stecken die Ursachen fast immer an drei Stellen: in der Kabelklasse, in der Länge und in einer Steuerfunktion, die niemand bewusst eingeschaltet hat.

Kurzantwort

  • Die Kabelklasse steht auf der Zertifizierung, nicht auf der Versionsnummer. Vier Klassen sind für das Wohnzimmer relevant: High Speed bis 10.2 Gbit/s, Premium High Speed bis 18 Gbit/s, Ultra High Speed bis 48 Gbit/s, Ultra96 bis 96 Gbit/s.
  • Die Versionsnummer verspricht nichts. Der Standardgeber selbst bezeichnet Geräte mit 64, 80 oder 96 Gbit/s Höchstbandbreite gleichermassen als der Fassung 2.2 entsprechend.
  • Länge ist eine Bandbreitenfrage. Für die Klasse Ultra High Speed hält das HDMI Forum fest, dass die Anforderungen jenseits weniger Meter wahrscheinlich nur mit aktiven, mit Strom versorgten Kabeln zu erfüllen sind. Aktive Kabel haben eine Richtung.
  • eARC schickt den Ton vom Fernseher zurück — bis 192 kHz und 24 Bit, unkomprimiertes 5.1 und 7.1 sowie 32 Kanäle unkomprimiert.
  • In der Wand liegt ein Leerrohr, kein Kabel. Was heute reicht, reicht bei der nächsten Auflösungsstufe nicht mehr, und ein eingemauertes Kabel lässt sich nicht tauschen.

Welche Kabelklasse welche Auflösung trägt

Das HDMI Forum zertifiziert Kabel in Klassen, nicht nach Spezifikationsversion. Jede Klasse ist gegen eine Höchstbandbreite geprüft, und daran hängt, welche Auflösung mit welcher Bildrate durchgeht:

KabelklasseGeprüfte BandbreiteWas der Standardgeber dazu nennt
Standard HDMI Cablekeine Angabezuverlässig für 1080i oder 720p; ältere Anwendungen
High Speed HDMI Cablebis 10.2 Gbit/s1080p und darüber, 4K bei 30 Hertz, 3D, Deep Color
Premium High Speed HDMI Cablebis 18 Gbit/s4K und Ultrahochauflösung, 4K bei 60 Hertz, HDR, Farbraum BT.2020
Ultra High Speed HDMI Cablebis 48 Gbit/s8K bei 60 Hertz und 4K bei 120 Hertz; eingeführt mit der Fassung 2.1, ab 2020 im Handel
Ultra96 HDMI Cablebis 96 Gbit/salle Anwendungen der Fassung 2.2, darunter 8K bei 60 Hertz und 4K bei 240 Hertz mit voller Farbabtastung

Warum die Sprünge so gross ausfallen, lässt sich nachrechnen. Ein unkomprimiertes Bild mit 3’840 × 2’160 Bildpunkten, 60 Bildern je Sekunde und 24 Bit Farbtiefe je Bildpunkt ergibt:

3’840 × 2’160 = 8’294’400 Bildpunkte je Bild × 60 Bilder je Sekunde = 497’664’000 Bildpunkte je Sekunde × 24 Bit = rund 11.9 Gbit/s

Dazu kommen noch Austastlücken und Übertragungskodierung — deshalb reicht die Klasse mit 10.2 Gbit/s hier nicht und die mit 18 Gbit/s schon. Verdoppelst du auf 120 Bilder je Sekunde und erhöhst auf 30 Bit je Bildpunkt, landest du bei rund 29.9 Gbit/s. Das passt in 48 Gbit/s und in keine kleinere Klasse. Für die Spielkonsole heisst das dasselbe wie für den Fernseher; die Anschlussfrage steht in Gaming-Fernseher und HDMI 2.1.

Zwei Klassen tragen zusätzlich «with Ethernet» im Namen. Dieser Kanal überträgt Netzwerkdaten über dieselbe Leitung, funktioniert aber nur, wenn beide verbundenen Geräte ihn beherrschen — sonst bleibt er unbenutzt.

Warum die Versionsnummer auf der Packung nichts verspricht

Die Versionsnummer beschreibt die Spezifikation, nicht das Gerät. Am deutlichsten sieht man das an der jüngsten Fassung: Das HDMI Licensing Administrator führt den Funktionsnamen «Ultra96» ein und beschreibt ihn als Kennzeichnung für ein Produkt, das eine Höchstbandbreite von 64, 80 oder 96 Gbit/s unterstützt — jede dieser drei Angaben ausdrücklich «in compliance with the HDMI 2.2 Specification». Dieselbe Versionsnummer steht also über drei verschiedenen Leistungsstufen.

Für dich heisst das: Lies im Datenblatt nach, welche Funktion und welche Höchstbandbreite dasteht, und nicht, welche Zahl hinter «HDMI» steht. Beim Kabel ist die Zertifizierung der belastbare Teil. Für die Klassen Ultra High Speed und Ultra96 vergibt der Standardgeber ein Etikett mit einem Kennmuster, das sich mit einer gewöhnlichen Handy-App prüfen lässt — damit stellst du fest, ob das Kabelmodell tatsächlich geprüft ist.

Ab welcher Länge das Kabel selbst zum Problem wird

Eine Höchstlänge nennt das HDMI Forum nicht, und das ist keine Nachlässigkeit: Ob ein Kabel besteht, wird am Kabelmodell gemessen, nicht am Meter. Was der Standardgeber aber sagt, ist deutlich genug. Zur Klasse Ultra High Speed hält er fest, die Anforderungen seien so hoch, dass sie bei Kabeln von mehr als wenigen Metern wahrscheinlich nur noch über aktive, mit Strom versorgte Kabel zu erfüllen sind. Genau deshalb wurde die Funktion HDMI Cable Power geschaffen: Das aktive Kabel zieht seinen Strom direkt aus dem Anschluss, statt ein zusätzliches Netzteil zu brauchen.

Daraus folgen drei Dinge, die im Wohnzimmer regelmässig schiefgehen:

  1. Cable Power braucht beide Seiten. Die Funktion wirkt nur, wenn Kabel und Quellgerät sie unterstützen. Kabel dieser Bauart bringen deshalb zusätzlich einen eigenen Stromanschluss mit, meist in Bauform USB Micro, für Quellgeräte ohne diese Funktion.
  2. Aktive Kabel haben eine Richtung. Ein Ende ist für das sendende Gerät beschriftet, das andere gehört an das empfangende. Steckst du es verkehrt herum ein, geht nichts kaputt — es funktioniert nur nicht. Das ist der häufigste Fehler bei langen Leitungen zur Decke.
  3. Länge kostet Reserve. Ein Kabelweg, der heute mit 18 Gbit/s knapp funktioniert, fällt bei der nächsten Auflösungsstufe aus. Wer den Weg einmal öffnet, legt ihn für die nächste Klasse aus.

Was eARC kann und was CEC damit zu tun hat

Über dieselbe Leitung, die das Bild zum Fernseher bringt, lässt sich der Ton auch zurückschicken. Der Audiorückkanal ARC kam mit der Fassung 1.4b. Sein Nachfolger eARC überträgt laut HDMI Licensing Administrator hochbitratige Tonformate bis 192 kHz und 24 Bit, unkomprimiertes 5.1 und 7.1 sowie unkomprimierten Ton mit 32 Kanälen, dazu die verbreiteten Mehrkanalformate. Der praktische Nutzen: Ton, der im Fernseher entsteht — aus dem Empfangsteil, aus einer App, von einem angeschlossenen Gerät — geht über ein einziges Kabel an den Verstärker oder die Soundbar.

Die zweite Funktion auf derselben Leitung ist CEC. Die Denon-Bedienungsanleitung beschreibt sie als Verfahren, mit dem Steuersignale eines Geräts über die HDMI-Verbindung mit einem anderen Gerät sprechen. Damit schaltet die Fernbedienung des Fernsehers die Lautstärke am Verstärker, und der Start der Konsole schaltet die Kette ein. Dieselbe Funktion ist die Ursache, wenn sich Geräte scheinbar von selbst einschalten oder der Eingang ungefragt wechselt.

Zum Suchen gehört, dass jeder Hersteller CEC im Menü anders nennt. Wer die Funktion abschalten will, muss sie deshalb an jedem beteiligten Gerät suchen — und weil die Kette nur funktioniert, wenn alle Beteiligten mitmachen, reicht ein Gerät, um sie zu unterbrechen. Umgekehrt reicht ein Gerät mit abgeschalteter Funktion, damit die bequeme Einschaltautomatik nicht mehr geht.

Was du beim Kabelweg in der Wand vorher entscheidest

  • [ ] Leerrohr statt Kabel. In der Wand liegt ein Rohr, durch das sich das Kabel später tauschen lässt. Ein eingemauertes Kabel ist eine Wette auf die nächste Auflösungsstufe.
  • [ ] Rohrdurchmesser gegen Steckergrösse prüfen. Ein Stecker der üblichen Bauform braucht deutlich mehr Platz als das Kabel selbst; Kabel mit abnehmbarem Stecker gibt es, sie sind aber die Ausnahme.
  • [ ] Richtung vor dem Einziehen festlegen. Aktive Kabel sind gerichtet, und die Beschriftung verschwindet in der Wand.
  • [ ] Zweiten Weg mitziehen. Ein zusätzliches Netzwerkkabel zum selben Punkt kostet beim Öffnen der Wand fast nichts und ersetzt später unter Umständen den ganzen Bildweg.
  • [ ] Strom am Zielpunkt. Ein aktives Kabel ohne Cable-Power-taugliche Quelle braucht eine Steckdose dort, wo das Gerät hängt.

Wann das Netzwerk der bessere Weg ist als ein langes Kabel

Ein HDMI-Kabel trägt das unkomprimierte Bild — die 11.9 Gbit/s von oben sind der Grund, weshalb es bei Länge so heikel wird. Ein gestreamtes Bild ist komprimiert und braucht ein Vielfaches weniger; welche Datenrate dein Dienst dafür ansetzt, steht in dessen eigener Hilfe.

Daraus ergibt sich eine einfache Abgrenzung. Wenn die Quelle ohnehin aus dem Netz kommt, ist der kürzeste Weg die App auf dem Fernseher oder auf einem Gerät direkt daneben — dann brauchst du überhaupt kein langes Bildkabel, sondern nur eine Netzwerkdose. Ein langes HDMI-Kabel brauchst du erst, wenn das Signal aus einem Gerät kommt, das nicht am Bildschirm stehen kann: aus dem Verstärker im Sideboard, aus der Konsole im Regal, aus einem Empfangsgerät im Nebenraum.

Für den Ton gilt das Umgekehrte: eARC läuft über HDMI und nicht über das Netzwerk. Wer die Tonanlage am Fernseher betreibt, braucht dort in jedem Fall eine Leitung — die ist allerdings kurz.

Was heisst das für dich

Schau zuerst nach, welche Auflösung und welche Bildrate dein Bildschirm und deine Quelle wirklich ausgeben, und wähle die Kabelklasse eine Stufe darüber. Prüfe bei jedem Kabel über zwei bis drei Meter, ob es aktiv ist, und stecke es in der beschrifteten Richtung ein — das erklärt einen grossen Teil der schwarzen Bilder. Wenn Geräte sich gegenseitig einschalten, suche CEC im Menü jedes beteiligten Geräts; der Name unterscheidet sich je Hersteller. Und bevor eine Wand aufgeht: Leg ein Leerrohr und ein Netzwerkkabel mit, auch wenn du beides heute nicht brauchst.

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Quellen

  • HDMI Licensing Administrator, HDMI Cable Overview — die Kabelklassen und ihre geprüften Bandbreiten: Standard für 1080i und 720p, High Speed bis 10.2 Gbit/s mit 4K bei 30 Hertz, Premium High Speed bis 18 Gbit/s mit 4K bei 60 Hertz, HDR und BT.2020, Ultra High Speed bis 48 Gbit/s mit 8K bei 60 Hertz und 4K bei 120 Hertz, Ultra96 bis 96 Gbit/s; ausserdem der Hinweis, dass der Ethernet-Kanal nur bei beidseitiger Unterstützung wirkt
  • HDMI Licensing Administrator, Ultra96 Feature Name — der Beleg dafür, dass die Versionsnummer keinen Funktionsumfang beschreibt: 64, 80 und 96 Gbit/s gelten alle als der Fassung 2.2 entsprechend
  • HDMI Licensing Administrator, HDMI Cable Power — dass die Ultra-High-Speed-Anforderungen jenseits weniger Meter wahrscheinlich nur mit aktiven Kabeln erreichbar sind, dass Cable Power beidseitige Unterstützung braucht, dass aktive Kabel gerichtet sind und einen zusätzlichen Stromanschluss mitbringen
  • HDMI Licensing Administrator, Enhanced Audio Return Channel — eARC mit bis zu 192 kHz und 24 Bit, unkomprimiertem 5.1 und 7.1 sowie unkomprimiertem Ton mit 32 Kanälen, und der Rückweg des Tons vom Fernseher zur Anlage über ein Kabel
  • HDMI Licensing Administrator, HDMI Specification 1.4b — Einführung des Audiorückkanals ARC und des Ethernet-Kanals, letzterer nur mit dem passenden Kabeltyp
  • Denon, Bedienungsanleitung AVR-X1800H — die Beschreibung von CEC als Verfahren, mit dem Steuersignale eines Geräts über die HDMI-Verbindung mit einem anderen Gerät sprechen
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