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Heimkino & Ausrüstung

Gaming am Fernseher: was HDMI 2.1 zusagt und was nicht

Warum die Angabe HDMI 2.1 am Fernseher noch nichts über 120 Hz, VRR, ALLM und eARC sagt, was PS5 und Xbox verlangen und woran 4K mit 120 Hz scheitert.

Redaktionnachgeführt 8 Min. Lesezeit

Rückseite eines Fernsehers mit vier HDMI-Anschlüssen, von denen zwei zusätzlich beschriftet sind

Der Fernseher ist neu, auf dem Karton stand HDMI 2.1, und die Konsole gibt trotzdem nur 60 Bilder je Sekunde aus. Das ist kein Defekt und meistens auch kein Bedienfehler: Die Versionsnummer am Gerät sagt für sich genommen nicht, welche Merkmale dahinterstecken. Wer beim Spielen 120 Hz, VRR und einen kurzen Eingangsweg will, muss die Einzelmerkmale prüfen — und zwar an beiden Enden des Kabels.

Kurzantwort

  • Eine Versionsnummer ist keine Merkmalsliste. Der HDMI Licensing Administrator schreibt in seinen eigenen Fragen und Antworten, Versionsnummern dürften nur zusammen mit einem konkreten Merkmal verwendet werden; sie allein dürfen die Fähigkeiten eines Produkts nicht beschreiben. Bei Kabeln ist die Nennung einer Versionsnummer ganz untersagt.
  • Fünf Zeilen im Datenblatt entscheiden: die Bildwiederholrate (120 Hz), VRR, ALLM, QFT und — nur für den Ton — eARC. Jedes davon kann vorhanden sein oder fehlen.
  • Sony beantwortet die Frage selbst. Auf «Sind alle Fernseher mit HDMI 2.1 ALLM-fähig?» steht in der PS5-Anleitung: nein, das Handbuch des Anzeigegeräts prüfen.
  • Nicht jeder Anschluss am selben Fernseher kann dasselbe. Sony rät, den passenden Anschluss zu suchen und dafür ins Fernsehhandbuch zu schauen.
  • Das Kabel ist die einfachste Fehlerquelle: Für Anlagen bis 48 Gbit/s ist das Ultra High Speed HDMI Cable vorgesehen, seit der Spezifikation 2.2 zusätzlich das Ultra96 HDMI Cable für bis zu 96 Gbit/s.

Was «HDMI 2.1» am Gerät tatsächlich aussagt

Die Spezifikation ist ein Baukasten, kein Paket. Der HDMI Licensing Administrator, der die Marke im Auftrag des HDMI Forum lizenziert, formuliert die Regel für Herstellerinnen und Händler unmissverständlich: Eine Versionsnummer darf nur genannt werden, wenn sie klar mit einem Merkmal oder einer Funktion aus dieser Version verbunden ist. Die Versionsnummer allein dürfe die Fähigkeiten eines Produkts oder die Funktion der Schnittstelle nicht bestimmen. Für Kabel gilt zusätzlich ein vollständiges Verbot: Auf Beschriftung, Verpackung und in der Bewerbung eines Kabels hat keine Versionsnummer etwas zu suchen.

Dazu kommt der Versionswechsel. Die aktuelle Fassung ist die Spezifikation 2.2, sie löst die Fassung 2.1b ab und ist zu den früheren Versionen abwärtskompatibel. Für dich heisst das: «2.1» am Gerät ist inzwischen eine Angabe über das Alter der Zertifizierung — welche Merkmale gemeint sind, steht davon unabhängig im Datenblatt.

Der Normgeber selbst schiebt die Prüfung deshalb zum Käufer zurück. In den Fragen und Antworten zum Merkmalsnamen «Ultra96» steht der Satz, Konsumentinnen und Konsumenten sollten immer die Merkmals- und Spezifikationsangaben der Herstellerin prüfen. Genau das ist der Arbeitsschritt, den die Versionsnummer nicht ersetzt.

Welche Merkmale beim Spielen tatsächlich zählen

Drei davon fasst das HDMI Forum unter «Enhanced Gaming Features» zusammen: VRR, ALLM und QFT. Dazu kommen die Bildwiederholrate selbst und eARC, das nur den Ton betrifft.

MerkmalWas es bewirktWo es vorhanden sein muss
120 Hz bei 4Kdoppelt so viele Bilder je Sekunde wie bei 60 Hz; braucht Bandbreite und damit ein passendes KabelKonsole, Kabel, Anschluss und Fernseher
VRR (variable Bildwiederholrate)der Fernseher wartet auf das nächste fertige Bild, statt das alte zu wiederholen oder ein halb gerechnetes zu zeigen; das nimmt Ruckeln und Bildrisse herausKonsole und Fernseher
ALLM (automatischer Modus für geringe Verzögerung)die Konsole meldet dem Fernseher, dass gespielt wird; dieser schaltet selbst in den verzögerungsarmen Modus und zurück, sobald ein Film läuftKonsole und Fernseher
QFT (schneller Bildtransport)überträgt jedes Bild schneller und verkürzt damit die Zeit zwischen fertigem Bild und AnzeigeKonsole und Fernseher
eARC (erweiterter Tonrückkanal)führt den Ton vom Fernseher zurück zur Tonanlage, samt hochbitratiger TonformateFernseher und Soundbar oder Verstärker

Zwei Dinge sind an dieser Tabelle wichtiger als die Merkmale selbst. Erstens: Alles hier ist beidseitig. Beim ALLM beschreibt das HDMI Forum ausdrücklich einen Ablauf zwischen Quelle und Anzeigegerät, und für einzelne Merkmale hält es in seinen Fragen und Antworten wörtlich fest, dass sendendes und empfangendes Gerät es beide beherrschen müssen — fehlt eine Seite, passiert nichts. Zweitens: ALLM schaltet Bildverarbeitung im Fernseher ab, um die Verzögerung zu senken. Das ist beim Spielen gewollt und beim Film nicht, und genau deshalb schaltet ALLM automatisch zurück.

⚠ eARC ist der Sonderfall, den man nicht nachrüstet. Auf die Frage, ob eARC per Firmware nachgeliefert werden könne, antwortet das HDMI Forum mit «in der Regel nein» und verweist auf die Herstellerin. Für VRR und ALLM lohnt dagegen der Blick, ob es für den Fernseher eine neuere Firmware gibt.

Was PS5 und Xbox Series X verlangen

Die PS5 unterstützt laut Sony die Spezifikation 2.1 und die Videoausgabe in 4K mit 120 Hz. Die 120-Hz-Ausgabe ist eine Einstellung, die eingeschaltet werden muss, ebenso wie VRR; unter «Bildschirm und Video» zeigt die Konsole ausserdem an, was das angeschlossene HDMI-Gerät nach eigener Auskunft kann. Aufschlussreich ist eine Nebenbemerkung in derselben Anleitung: Selbst wenn du ALLM ausschaltest, wechselt das Gerät in den verzögerungsarmen Modus, sobald VRR läuft — vollständig aus ist ALLM erst, wenn auch VRR aus ist. Und bei laufender Medien-App sendet die PS5 gar kein ALLM-Signal.

Für die Xbox Series X führt Microsoft die HDMI-Merkmale einzeln auf: automatischer Modus für geringe Verzögerung, HDMI Variable Refresh Rate und zusätzlich AMD FreeSync. Zum Leistungsziel «bis zu 120 Bilder je Sekunde» steht in der Fussnote derselben Seite die Bedingung, die man leicht überliest: Es braucht unterstützte Inhalte und ein unterstützendes Anzeigegerät.

Dass zwei verschiedene Verfahren für variable Bildwiederholraten nebeneinanderstehen, ist kein Widerspruch, sondern der Normalfall: Was auf deinem Fernseher ankommt, hängt davon ab, welches der beiden er beherrscht. Auch das steht im Datenblatt und nicht in der Versionsnummer.

Wenn 4K mit 120 Hz nicht ankommt

Sony listet für genau diesen Fall — schwarzer Bildschirm oder ein Signal, das als 1080p mit 120 Hz erscheint — eine Prüfreihenfolge auf. Sie taugt für jede Konsole:

  1. Nennt der Fernseher 4K mit 120 Hz im Handbuch? Nicht die Versionsnummer, die Merkmalszeile.
  2. Ist die Firmware des Fernsehers aktuell? Merkmale werden nachgeliefert.
  3. Liegt ein geeignetes Kabel an? Sony nennt das mitgelieferte Kabel oder ein Ultra High Speed HDMI Cable. Diese Kabelklasse ist laut HDMI Forum für Anlagen bis 48 Gbit/s ausgelegt und trägt den Namen aufgedruckt auf dem Mantel; das Zertifikat klebt als Etikett auf der Verpackung.
  4. Hängt etwas dazwischen? Ein Verstärker oder Umschalter im Weg kann das Signal begrenzen.
  5. Steckt die Konsole am richtigen Anschluss? Und: Um die Merkmale zu nutzen, musst du laut Sony unter Umständen zuerst Einstellungen am Fernseher selbst ändern.

Der fünfte Punkt ist der häufigste. Im Forum tauchen genau diese Konstellationen seit Jahren auf — Konsole, Fernseher, Anschlussnummer, Menüeintrag.

Was heisst das für dich

Kauf nicht die Versionsnummer, sondern die Merkmalszeile. Wenn du eine Konsole anschliessen willst, gehören vier Angaben ins Datenblatt des Fernsehers: 120 Hz bei 4K, VRR, ALLM — und die Nummer der Anschlüsse, an denen das gilt. Steht das nirgends, ist die Frage an den Verkäufer nicht «hat das Gerät HDMI 2.1», sondern «welcher Anschluss gibt 4K mit 120 Hz und VRR aus». Beim Kabel reicht der aufgedruckte Name; wer bereits ein zertifiziertes Ultra High Speed HDMI Cable hat, braucht für eine heutige Konsole kein neues. Und bevor du ein Gerät zurückbringst: Firmware prüfen, Anschluss wechseln, Menüeintrag für die volle Bandbreite suchen.

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Quellen

  • HDMI Licensing Administrator, Übersicht zur Spezifikation 2.2 samt Fragen und Antworten — die Regel zur Verwendung von Versionsnummern in der Bewerbung und das Verbot für Kabel; Ablösung der Fassung 2.1b durch 2.2 und Abwärtskompatibilität; Kabelklassen Ultra High Speed (bis 48 Gbit/s) und Ultra96 (bis 96 Gbit/s) mit Namensaufdruck und Zertifikatsetikett; eARC in der Regel nicht per Firmware nachrüstbar; Hinweis, die Merkmals- und Spezifikationsangaben der Herstellerin zu prüfen
  • HDMI Licensing Administrator, Enhanced Gaming Features — Wirkungsweise von VRR, ALLM und QFT und die Beschreibung, dass ALLM ein Signal zwischen Quelle und Anzeigegerät ist und dafür Bildverarbeitung im Fernseher aussetzt
  • PlayStation Schweiz, 4K-Auflösung auf einer PS5-Konsole anpassen — Unterstützung der Spezifikation 2.1 und der Ausgabe 4K mit 120 Hz, die Einstellungen für 120 Hz, VRR und ALLM, die Antwort «nein» auf die Frage nach ALLM bei allen Fernsehern mit HDMI 2.1, die Kabelempfehlung und die fünf Prüfschritte bei fehlendem 4K-120-Hz-Bild
  • Microsoft, Xbox Series X — technische Angaben — Auflistung der HDMI-Merkmale (automatischer Modus für geringe Verzögerung, HDMI Variable Refresh Rate, AMD FreeSync) und die Bedingung «unterstützte Inhalte und unterstütztes Anzeigegerät» zum Leistungsziel von bis zu 120 Bildern je Sekunde
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