Zank ums Glasfasernetz
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Comcom-Chef Marc Furrer droht Swisscom mit der Regulierungskeule
von Beat Schmid
Zürich - Regulator Marc Furrer lädt am Montag die Spitzenvertreter der Schweizer Telekommunikationsbranche zu einem «interaktiven Hearing» auf Schloss Waldegg bei Solothurn. Geladen sind CEOs der wichtigsten Anbieter im Schweizer Telekommunikationsmarkt: Carsten Schloter (Swisscom), Rudolf Fischer (Cablecom), Andreas Wetter (Orange), Christoph Brand (Sunrise) sowie die Chefs von Elektrizitätswerken und internationalen Telecom-Firmen. Ebenfalls anwesend ist Martin Dummermuth, der Direktor des Bundesamts für Kommunikation.
Die Chefs müssen allein kommen, ohne Unterstützung durch Assistenten. Verboten sind auch vorformulierte Reden oder Powerpoint-Präsentationen. «Die Inputs sollen möglichst spontan erfolgen», heisst es in der Einladung. Zu besprechen gibt es viel: Es geht um die Zukunft der schweizerischen Telekommunikationsinfrastruktur, die Erschliessung der Haushalte mit schneller Glasfasertechnik, im Fachjargon «Fibre to the Home» genannt.
Insgesamt dürfte der Ausbau zwischen sechs und acht Milliarden Franken kosten - ein gigantisches Projekt. Nur ein paar wenige Pionierunternehmen haben bisher investiert. Darunter Sierre Energie, die 3000 Haushalte an das Glasfasernetz angeschlossen hat. Oder die Stadt Zürich, wo das Volk einen Projektkredit über 200 Millionen Franken sprach. In diesen Tagen werden die ersten Haushalte in der Bahnhof- und Löwenstrasse angeschlossen.
Furrer will verhindern, dass sich ein Monopol bildet
Die Swisscom hat lediglich einen Pilotversuch am Laufen. Cablecom hegt Glasfaserpläne, will aber zunächst ihr eigenes Netz schneller machen. Im April haben sieben Energieunternehmen unter der Führung der Westschweizer Groupe E den Aufbau eines schweizweiten Glasnetzes angekündigt.
Überall wird an der Zukunft gebaut, doch wenig läuft koordiniert. «Die Gefahr besteht, dass die verschiedenen Netze schlecht miteinander verbunden werden können», sagt Comcom-Präsident Marc Furrer. Vier Modelle stehen zur Debatte:
- Regionale Aufteilung. Man entscheidet am grünen Tisch, wer welche Region abdeckt und schliesst die Teilnetze zusammen.
- Amsterdam-Modell. Es gibt eine Netzgesellschaft, die das Netz ausbaut und dieses diskriminierungsfrei an Dienstanbieter abgibt.
- Frankreich-Modell. Mehrere Anbieter koordinieren zusammen den Netzausbau; erschliesst einer ein Haus, bietet er anderen Zugang auf die Faser.
- Luxus-Lösung. Ähnlich wie das Frankreich-Modell, nur dass in die Wohnung mehrere Faserstränge verlegt werden - für jeden Anbieter eines.
Wichtig für Furrer ist, dass sich von Beginn weg kein natürliches Monopol bildet. «Was wir nicht wollen, ist, dass wir am Schluss einen Anbieter haben, der alle Liegenschaften erschlossen hat und dann seine Dienste zu Vorzugspreisen an die Leute bringt, während alle anderen das Nachsehen haben.»
Damit das nicht geschieht, will Furrer den «Open Access» als Grundprinzip verankern. Das bedeutet, dass die Glasnetze diskriminierungsfrei Dritten zur Verfügung stehen müssen. Dies soll möglichst ohne neue Regulierung und damit ohne Anpassung des Fernmeldegesetzes erfolgen.
Ob am Montag ein breiter Konsens gefunden wird, ist zu bezweifeln. Die Meinungen gehen weit auseinander. Auf der einen Seite stehen die Werke, die ihre Netze den Dienstanbietern öffnen wollen. Auf der anderen Seite steht die Swisscom, welche die Glasfaser für sich behalten will und darüber primär ihre eigenen Dienste verbreiten möchte.
Doch die Swisscom muss aufpassen. Regulator Furrer mahnt: «Wenn die Swisscom zu weit geht und ein neues Monopol schafft, dann läuft sie voll in die Regulierung.» Eine Revision des Fernmeldegesetzes wäre dafür notwendig. «Dafür findet man durchaus eine Mehrheit im Parlament», meint er. Furrer ist zuversichtlich, dass es nicht so weit kommt: «Ich bin überzeugt, dass die Swisscom es nicht so weit kommen lässt und für eine offene Lösung zu haben ist.»
Quelle: SonntagsZeitung | Home
von Beat Schmid
Zürich - Regulator Marc Furrer lädt am Montag die Spitzenvertreter der Schweizer Telekommunikationsbranche zu einem «interaktiven Hearing» auf Schloss Waldegg bei Solothurn. Geladen sind CEOs der wichtigsten Anbieter im Schweizer Telekommunikationsmarkt: Carsten Schloter (Swisscom), Rudolf Fischer (Cablecom), Andreas Wetter (Orange), Christoph Brand (Sunrise) sowie die Chefs von Elektrizitätswerken und internationalen Telecom-Firmen. Ebenfalls anwesend ist Martin Dummermuth, der Direktor des Bundesamts für Kommunikation.
Die Chefs müssen allein kommen, ohne Unterstützung durch Assistenten. Verboten sind auch vorformulierte Reden oder Powerpoint-Präsentationen. «Die Inputs sollen möglichst spontan erfolgen», heisst es in der Einladung. Zu besprechen gibt es viel: Es geht um die Zukunft der schweizerischen Telekommunikationsinfrastruktur, die Erschliessung der Haushalte mit schneller Glasfasertechnik, im Fachjargon «Fibre to the Home» genannt.
Insgesamt dürfte der Ausbau zwischen sechs und acht Milliarden Franken kosten - ein gigantisches Projekt. Nur ein paar wenige Pionierunternehmen haben bisher investiert. Darunter Sierre Energie, die 3000 Haushalte an das Glasfasernetz angeschlossen hat. Oder die Stadt Zürich, wo das Volk einen Projektkredit über 200 Millionen Franken sprach. In diesen Tagen werden die ersten Haushalte in der Bahnhof- und Löwenstrasse angeschlossen.
Furrer will verhindern, dass sich ein Monopol bildet
Die Swisscom hat lediglich einen Pilotversuch am Laufen. Cablecom hegt Glasfaserpläne, will aber zunächst ihr eigenes Netz schneller machen. Im April haben sieben Energieunternehmen unter der Führung der Westschweizer Groupe E den Aufbau eines schweizweiten Glasnetzes angekündigt.
Überall wird an der Zukunft gebaut, doch wenig läuft koordiniert. «Die Gefahr besteht, dass die verschiedenen Netze schlecht miteinander verbunden werden können», sagt Comcom-Präsident Marc Furrer. Vier Modelle stehen zur Debatte:
- Regionale Aufteilung. Man entscheidet am grünen Tisch, wer welche Region abdeckt und schliesst die Teilnetze zusammen.
- Amsterdam-Modell. Es gibt eine Netzgesellschaft, die das Netz ausbaut und dieses diskriminierungsfrei an Dienstanbieter abgibt.
- Frankreich-Modell. Mehrere Anbieter koordinieren zusammen den Netzausbau; erschliesst einer ein Haus, bietet er anderen Zugang auf die Faser.
- Luxus-Lösung. Ähnlich wie das Frankreich-Modell, nur dass in die Wohnung mehrere Faserstränge verlegt werden - für jeden Anbieter eines.
Wichtig für Furrer ist, dass sich von Beginn weg kein natürliches Monopol bildet. «Was wir nicht wollen, ist, dass wir am Schluss einen Anbieter haben, der alle Liegenschaften erschlossen hat und dann seine Dienste zu Vorzugspreisen an die Leute bringt, während alle anderen das Nachsehen haben.»
Damit das nicht geschieht, will Furrer den «Open Access» als Grundprinzip verankern. Das bedeutet, dass die Glasnetze diskriminierungsfrei Dritten zur Verfügung stehen müssen. Dies soll möglichst ohne neue Regulierung und damit ohne Anpassung des Fernmeldegesetzes erfolgen.
Ob am Montag ein breiter Konsens gefunden wird, ist zu bezweifeln. Die Meinungen gehen weit auseinander. Auf der einen Seite stehen die Werke, die ihre Netze den Dienstanbietern öffnen wollen. Auf der anderen Seite steht die Swisscom, welche die Glasfaser für sich behalten will und darüber primär ihre eigenen Dienste verbreiten möchte.
Doch die Swisscom muss aufpassen. Regulator Furrer mahnt: «Wenn die Swisscom zu weit geht und ein neues Monopol schafft, dann läuft sie voll in die Regulierung.» Eine Revision des Fernmeldegesetzes wäre dafür notwendig. «Dafür findet man durchaus eine Mehrheit im Parlament», meint er. Furrer ist zuversichtlich, dass es nicht so weit kommt: «Ich bin überzeugt, dass die Swisscom es nicht so weit kommen lässt und für eine offene Lösung zu haben ist.»
Quelle: SonntagsZeitung | Home
roman709'245 Beiträge
"Konstruktive Diskussionen" am 1. Schweizer "Glasfasergipfel"
"Ritter der Glasfaserrunde:" 12 Carrier-Bosse an Marc Furrers "rundem Tisch".
Wie die ComCom (eidgenössische Kommunikationskommission) heute in einem mageren Communiqué mitteilt, haben sich am Montag, 9. Juni 2008 die Chefs von 12 Schweizer Unternehmen an einem "Runden Tisch" zum Thema "Fibre-to-the-Home" getroffen. Darunter dürften sich Carsten Schloter (Swisscom), Rudolf Fischer (Cablecom), Andreas Wetter (Orange), Christoph Brand (Sunrise) sowie die Chefs von Elektrizitätswerken und internationalen Telecom-Firmen befunden haben.
Die Diskussion am Runden Tisch hätten in einem "konstruktiven Klima" stattgefunden, so die ComCom heute Abend, ohne aber auf (allfällige) Ergebnisse einzugehen. Es seien Fragen der gemeinsamen Nutzung des Glasfaserzuganges, der Standardisierung und eines koordinierten Netzausbaus diskutiert worden. Die Teilnehmer hätten dabei ihre Ansichten und Absichten eingebracht. Als nächstes wolle nun die ComCom und das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) "einzelne Punkte bilateral mit den Marktakteuren weiter diskutieren."
Gestern hat die 'Sontagszeitung' berichtet, dass die ComCom, beziehungsweise deren Chef Marc Furrer, auf den 9. Juni 2008 die Chefs von grossen Playern im Schweizer Telekommunikationsmarkt eingeladen hat, um mit ihnen insbesondere über den Anschluss von einzelnen Haushalten mittels Glasfasern (Fiber-to-the-home") zu diskutieren. Die ComCom möchte verhindern, dass im Bereich der Glasfaser-Hausanschlüsse Monopole entstehen, die den Zugang für andere Telekommunikationsanbieter erschweren und den Wettbewerb behindern. Gleichzeitig soll der Netzaufbau trotzdem "möglichst effizient stattfinden, um volkswirtschaftlich sinnvolle Investitionen zu erlauben." Die ComCom hüllt sich (noch) in Schweiz darüber, wie dies gewährleistet werden soll, und welche regulatorischen Zwangsmassnahmen sie erwägen könnte. (hjm)
Quelle: Startseite Inside-IT
"Ritter der Glasfaserrunde:" 12 Carrier-Bosse an Marc Furrers "rundem Tisch".
Wie die ComCom (eidgenössische Kommunikationskommission) heute in einem mageren Communiqué mitteilt, haben sich am Montag, 9. Juni 2008 die Chefs von 12 Schweizer Unternehmen an einem "Runden Tisch" zum Thema "Fibre-to-the-Home" getroffen. Darunter dürften sich Carsten Schloter (Swisscom), Rudolf Fischer (Cablecom), Andreas Wetter (Orange), Christoph Brand (Sunrise) sowie die Chefs von Elektrizitätswerken und internationalen Telecom-Firmen befunden haben.
Die Diskussion am Runden Tisch hätten in einem "konstruktiven Klima" stattgefunden, so die ComCom heute Abend, ohne aber auf (allfällige) Ergebnisse einzugehen. Es seien Fragen der gemeinsamen Nutzung des Glasfaserzuganges, der Standardisierung und eines koordinierten Netzausbaus diskutiert worden. Die Teilnehmer hätten dabei ihre Ansichten und Absichten eingebracht. Als nächstes wolle nun die ComCom und das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) "einzelne Punkte bilateral mit den Marktakteuren weiter diskutieren."
Gestern hat die 'Sontagszeitung' berichtet, dass die ComCom, beziehungsweise deren Chef Marc Furrer, auf den 9. Juni 2008 die Chefs von grossen Playern im Schweizer Telekommunikationsmarkt eingeladen hat, um mit ihnen insbesondere über den Anschluss von einzelnen Haushalten mittels Glasfasern (Fiber-to-the-home") zu diskutieren. Die ComCom möchte verhindern, dass im Bereich der Glasfaser-Hausanschlüsse Monopole entstehen, die den Zugang für andere Telekommunikationsanbieter erschweren und den Wettbewerb behindern. Gleichzeitig soll der Netzaufbau trotzdem "möglichst effizient stattfinden, um volkswirtschaftlich sinnvolle Investitionen zu erlauben." Die ComCom hüllt sich (noch) in Schweiz darüber, wie dies gewährleistet werden soll, und welche regulatorischen Zwangsmassnahmen sie erwägen könnte. (hjm)
Quelle: Startseite Inside-IT
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