Microsoft plant die globale Fernsehcouch
7 Antworten1'550 AufrufeGestartet von Puma27 ·
Die Spielkonsole der Zukunft ist mehr als eine Daddelmaschine - sie vernetzt Wohnzimmer auf der ganzen Welt. Microsoft plant eine Online-Offensive, durch die ein neuartiges Unterhaltungsmedium für jedermann entstehen soll: global, interaktiv und in Wahrheit doch bloß eine Art Sofagruppe.
Wenn die Videospielbranche weiter wachsen soll, dann muss sie neue Käuferschichten erschließen. Nintendo hat das mit der Wii vorgemacht, Sony mit "Singstar", der Quiz-Reihe "Buzz" und der "Eyetoy"-Kamera - und jetzt muss auch Microsoft dringend weg vom alten Hardcore-Publikum der jungen Männer hin zu neuen lukrativen Zielgruppen.
Aus den Jungs-Zimmern in die Wohnzimmer, das ist die Losung der Branche. Wie das gehen soll, wollte Microsoft auf der Videospielmesse E3 in Los Angeles der Weltöffentlichkeit präsentieren - und es war kein Wunder, dass das Betriebssystem Windows als Spieleplattform da nur noch am Rande vorkam. Denn wer ins Wohnzimmer will, braucht eine Spielkonsole als Basis, keinen PC.
Konkret plant der Konzern nun, dass jeder Nutzer im Online-Netzwerk der Microsoft-Spielkonsole Xbox 360 ab Herbst ein kleines digitales Alter Ego bekommt. Einen Avatar, wie man ihn von "Second Life" kennt oder eben von Nintendos Wii: eine Cartoon-Version des Spielers, die einfach als digitale Repräsentation seiner selbst verwendet wird wie ein Passfoto.
Diese Avatare und die Menschen, zu denen sie gehören, sollen auf ein virtuelles globales Sofa gesetzt werden: Das ist der Kern von Microsofts Idee. Gemeinsam sollen so Nutzer übers Netz Medien konsumieren, ob aus Hollywood oder selbsterstellt, vom jüngsten Kinohit bis zu Videos oder Filmen aus dem eigenen Urlaub.
Schon jetzt kann jeder kostenpflichtig Filme oder Spiele auf die Konsole laden. Künftig will Microsoft das Angebot ausweiten und vor allem zum Gemeinschaftserlebnis machen. Mehrere Menschen an verschiedenen Orten sollen sich zu Gruppen von maximal acht Personen respektive Avataren zusammenschließen können, um gemeinsam digitale Medienstreifzüge zu unternehmen:
gemeinsam einen Film ansehen - eine Kooperation mit der US-Online-Videothek Netflix wurde verkündet -,
gemeinsam in kleiner Gruppe Online-Spiele wie Uno gegeneinander spielen,
gemeinsam an Live-Gameshows teilnehmen, die erprobte Fernsehquizkonzepte in eine Online-Arena transportieren und bei denen es sogar wirklich etwas zu gewinnen gibt - auch mit Endemol wurde eine Kooperation verkündet.
In Europa wird das Filmprogramm vermutlich wegen rechtlicher Probleme magerer ausfallen als in den USA, immerhin soll es aber neue Kooperationen mit MGM und Constantin Film geben. Die meisten Filme, die als Neuzugänge zum On-Demand-Angebot gepriesen wurden ("Die Mumie kehrt zurück", "Riddick"), sind allerdings altbekannt.
Die Ankündigung auf der E3 macht Microsofts Strategie klar: Die Spielkonsole soll zum vernetzten globalen Unterhaltungszentrum werden, soll eine virtuelle Welt des gemeinsamen Medienkonsums erschließen, unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsort. Und ohne dass die Avatare in einer Computerwelt von A nach B zu Fuß gehen müssen - Spielereien mit virtuellen Räumen wie in "Second Life" sind in Microsofts globalem Unterhaltungsweltentwurf nicht vorgesehen.
Microsofts Avatare existieren eher in einer Art grafisch aufbereiteter Buddyliste statt in einer 3D-Welt. Das wird in Sonys Präsentation am Dienstagabend europäischer Zeit vermutlich anders aussehen - denn dort setzt man auf "Home", ein Konsolen-"Second Life".
Um das globale Sofa familienfreundlich zu machen, bietet Microsoft in Zukunft alles an Family Entertainment, was es so ähnlich für andere Konsolen schon gibt oder demnächst geben soll:
einen "Singstar"-Klon namens "Lips",
mehr Songs für "Rock Band",
ein Schlagzeug für "Guitar Hero",
ein an Sonys "Eyetoy"-Spiele erinnerndes "Mach dich vor der Kamera zum Affen"-Spiel namens "You're in the Movies"
und eine Fortsetzung des Filmquizspiels "Scene it".
Seltsam und irgendwie inkongruent wirken dazwischen die Welten, die für den Rest der Klientel gebaut wurden - für den harten Kern der alten Spielergemeinde, der schon lang eine Konsole zu Hause hat:
"Resident Evil V" (Zombies schlachten),
"Gears of War 2" (Aliens schlachten)
und "The last Remnant" (Monster schlachten).
Außerdem wird Sony, der große Rivale aus Japan, ein bisschen geschubst: Denn "Final Fantasy XIII", der 13. Teil der Rollenspielreihe, wird erstmals auch für die Xbox 360 erscheinen. Das ist ein weiterer Stich gegen die Playstation der Konkurrenz. Auch "Grand Theft Auto" hatte man Sony schon entrissen - für viele Entwickler ist der Markt für nur eine der neuen Konsolen einfach noch zu klein, um sich auf Exklusivdeals einzulassen.
Der "Final Fantasy"-Titel für Microsofts Konsole ist auch eine Kampfansage auf Sonys Heimatmarkt in Japan. Denn dort, im Spielkonsolenkernland, ist Microsoft von jeher dritter hinter Sony und Nintendo.
Mal sehen, welche Kampfansagen die beiden Microsoft-Rivalen am Dienstag ihrerseits verkünden.
Von Christian Stöcker
SPIEGEL ONLINE - Nachrichten
Wenn die Videospielbranche weiter wachsen soll, dann muss sie neue Käuferschichten erschließen. Nintendo hat das mit der Wii vorgemacht, Sony mit "Singstar", der Quiz-Reihe "Buzz" und der "Eyetoy"-Kamera - und jetzt muss auch Microsoft dringend weg vom alten Hardcore-Publikum der jungen Männer hin zu neuen lukrativen Zielgruppen.
Aus den Jungs-Zimmern in die Wohnzimmer, das ist die Losung der Branche. Wie das gehen soll, wollte Microsoft auf der Videospielmesse E3 in Los Angeles der Weltöffentlichkeit präsentieren - und es war kein Wunder, dass das Betriebssystem Windows als Spieleplattform da nur noch am Rande vorkam. Denn wer ins Wohnzimmer will, braucht eine Spielkonsole als Basis, keinen PC.
Konkret plant der Konzern nun, dass jeder Nutzer im Online-Netzwerk der Microsoft-Spielkonsole Xbox 360 ab Herbst ein kleines digitales Alter Ego bekommt. Einen Avatar, wie man ihn von "Second Life" kennt oder eben von Nintendos Wii: eine Cartoon-Version des Spielers, die einfach als digitale Repräsentation seiner selbst verwendet wird wie ein Passfoto.
Diese Avatare und die Menschen, zu denen sie gehören, sollen auf ein virtuelles globales Sofa gesetzt werden: Das ist der Kern von Microsofts Idee. Gemeinsam sollen so Nutzer übers Netz Medien konsumieren, ob aus Hollywood oder selbsterstellt, vom jüngsten Kinohit bis zu Videos oder Filmen aus dem eigenen Urlaub.
Schon jetzt kann jeder kostenpflichtig Filme oder Spiele auf die Konsole laden. Künftig will Microsoft das Angebot ausweiten und vor allem zum Gemeinschaftserlebnis machen. Mehrere Menschen an verschiedenen Orten sollen sich zu Gruppen von maximal acht Personen respektive Avataren zusammenschließen können, um gemeinsam digitale Medienstreifzüge zu unternehmen:
gemeinsam einen Film ansehen - eine Kooperation mit der US-Online-Videothek Netflix wurde verkündet -,
gemeinsam in kleiner Gruppe Online-Spiele wie Uno gegeneinander spielen,
gemeinsam an Live-Gameshows teilnehmen, die erprobte Fernsehquizkonzepte in eine Online-Arena transportieren und bei denen es sogar wirklich etwas zu gewinnen gibt - auch mit Endemol wurde eine Kooperation verkündet.
In Europa wird das Filmprogramm vermutlich wegen rechtlicher Probleme magerer ausfallen als in den USA, immerhin soll es aber neue Kooperationen mit MGM und Constantin Film geben. Die meisten Filme, die als Neuzugänge zum On-Demand-Angebot gepriesen wurden ("Die Mumie kehrt zurück", "Riddick"), sind allerdings altbekannt.
Die Ankündigung auf der E3 macht Microsofts Strategie klar: Die Spielkonsole soll zum vernetzten globalen Unterhaltungszentrum werden, soll eine virtuelle Welt des gemeinsamen Medienkonsums erschließen, unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsort. Und ohne dass die Avatare in einer Computerwelt von A nach B zu Fuß gehen müssen - Spielereien mit virtuellen Räumen wie in "Second Life" sind in Microsofts globalem Unterhaltungsweltentwurf nicht vorgesehen.
Microsofts Avatare existieren eher in einer Art grafisch aufbereiteter Buddyliste statt in einer 3D-Welt. Das wird in Sonys Präsentation am Dienstagabend europäischer Zeit vermutlich anders aussehen - denn dort setzt man auf "Home", ein Konsolen-"Second Life".
Um das globale Sofa familienfreundlich zu machen, bietet Microsoft in Zukunft alles an Family Entertainment, was es so ähnlich für andere Konsolen schon gibt oder demnächst geben soll:
einen "Singstar"-Klon namens "Lips",
mehr Songs für "Rock Band",
ein Schlagzeug für "Guitar Hero",
ein an Sonys "Eyetoy"-Spiele erinnerndes "Mach dich vor der Kamera zum Affen"-Spiel namens "You're in the Movies"
und eine Fortsetzung des Filmquizspiels "Scene it".
Seltsam und irgendwie inkongruent wirken dazwischen die Welten, die für den Rest der Klientel gebaut wurden - für den harten Kern der alten Spielergemeinde, der schon lang eine Konsole zu Hause hat:
"Resident Evil V" (Zombies schlachten),
"Gears of War 2" (Aliens schlachten)
und "The last Remnant" (Monster schlachten).
Außerdem wird Sony, der große Rivale aus Japan, ein bisschen geschubst: Denn "Final Fantasy XIII", der 13. Teil der Rollenspielreihe, wird erstmals auch für die Xbox 360 erscheinen. Das ist ein weiterer Stich gegen die Playstation der Konkurrenz. Auch "Grand Theft Auto" hatte man Sony schon entrissen - für viele Entwickler ist der Markt für nur eine der neuen Konsolen einfach noch zu klein, um sich auf Exklusivdeals einzulassen.
Der "Final Fantasy"-Titel für Microsofts Konsole ist auch eine Kampfansage auf Sonys Heimatmarkt in Japan. Denn dort, im Spielkonsolenkernland, ist Microsoft von jeher dritter hinter Sony und Nintendo.
Mal sehen, welche Kampfansagen die beiden Microsoft-Rivalen am Dienstag ihrerseits verkünden.
Von Christian Stöcker
SPIEGEL ONLINE - Nachrichten
cama1'668 Beiträge
und ich hoffe mit Bluray
Snowman410'415 Beiträge
"Der "Final Fantasy"-Titel für Microsofts Konsole ist auch eine Kampfansage auf Sonys Heimatmarkt in Japan. Denn dort, im Spielkonsolenkernland, ist Microsoft von jeher dritter hinter Sony und Nintendo."
Das verstehe ich nicht. Da ja Final Fantasy auch auf der PS3 erscheint, gibt es doch für die Japaner keinen Grund die Xbox360 zu kaufen.
Das verstehe ich nicht. Da ja Final Fantasy auch auf der PS3 erscheint, gibt es doch für die Japaner keinen Grund die Xbox360 zu kaufen.
The Dude908 Beiträge
Das verstehe ich nicht. Da ja Final Fantasy auch auf der PS3 erscheint, gibt es doch für die Japaner keinen Grund die Xbox360 zu kaufen.Falls es aber irgendwo einen Japaner gibt der noch keine Konsole hat, ist es für den sicher eine Überlegung wert. /emoticons/default_biggrin.png😉
Snowman410'415 Beiträge
In Japan sicher nicht, die sind keine Microsoft Fans.
The Dude908 Beiträge
Es kommt noch hinzu dass es mit einem Spiel alleine noch nicht gemacht ist.
The Dude908 Beiträge
Habe auf der Seite noch einen Trailer gefunden.
Das neue Xbox 360-Erlebnis (News)
Trailer (Hoch)
Trailer (Niedrig)
Ich kann zwar kein grossen unterschied zwischen den zwei Qualis sehen. /emoticons/default_rolleyes.gif
Das neue Xbox 360-Erlebnis (News)
Trailer (Hoch)
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Ich kann zwar kein grossen unterschied zwischen den zwei Qualis sehen. /emoticons/default_rolleyes.gif
Snowman410'415 Beiträge
Man konnte diese schon mit der Xbox360 runterladen, sind aber wirklich nichts besonders.
Eher zum Gähnen.
Eher zum Gähnen.
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