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Glasfaser: Alleingang der Cablecom

3 Antworten2'841 AufrufeGestartet von roman70 ·

roman70Themenstart9'245 Beiträge
#1
Rückschlag für die Elektrizitätswerke (EW) und ihre Glasfaser-Ausbaupläne: Cablecom will keine Kooperation auf diesem Gebiet eingehen. Damit wird es für die EWs immer schwieriger, ihre Infrastruktur zu amortisieren.

Der Satz birgt Zündstoff: «Cablecom wird bezüglich des Netzausbaus nicht mit den Elektrizitätswerken zusammenarbeiten.» Gesagt hat ihn Hans-Peter Nehmer, Kommunikationschef von Cablecom. Und er ergänzt selbstbewusst: «Wir verfügen nicht nur heute über das beste Netz, sondern auch im Jahre 2012 und darüber hinaus.»

Noch letzten Sommer klang das anders. Da hiess es beim Verband Openaxs, in dem sich Energieversorger mit dem Ziel zusammenschlossen, offene Glasfasernetze zu fördern: «Es wäre Irrsinn, wenn jeder Anbieter für viel Geld ein eigenes Netz bauen würde. Mit grossen Anbietern wie Swisscom oder Cablecom bestehen Kontakte.» Auch Cablecom erklärte damals: «Wir sind interessiert, Eigner eines Glasfaserstrangs zu sein.»

Nun muss die Glasfasertechnologie in der Schweiz vorerst auf Cablecom verzichten. Die Kabelnetzbetreiberin baut vielmehr dieses und nächstes Jahr ihr eigenes Netz auf das sogenannte «Docsis 3» aus. Im Spätherbst lanciert sie «Fiber Power»-Dienste wie ultraschnelles Internet, HDTV, Video on demand und Fernsehen auf Abruf. Damit werden Bandbreiten von über 100 Mbit erreicht - was gemäss Cablecom selbst für Spitzennutzer die nächsten vier Jahre ausreichen wird. Nehmer betont: «Unsere Breitbandkapazität bezieht sich dezidiert auf alle Internetdienste, da Fernsehen mit all seinen hochauflösenden Kanälen bei uns separat gesendet wird.» Daher könne man die Geschwindigkeiten, die das Cablecom-Netz erreiche, nicht eins zu eins mit den neuen Glasfasernetzen vergleichen. Dort würden alle Dienste gemeinsam übermittelt. Für Cablecom wichtig: Der eigene Netzausbau kommt rund zehnmal billiger, als wenn das Unternehmen auf Glasfasertechnologie in die Haushalte setzen würde - ein Killerargument, soll doch Cablecom, die nach mehreren Eignerwechseln zur amerikanischen Liberty Global gehört, möglichst viel Rendite abwerfen. Gemäss einer Studie des Beratungsunternehmens Greenwich betragen die Gesamtkosten pro Haushaltsanschluss beim Ausbau der Cablecom 245 Fr. Bei Fibre to the home sämtlicher Konkurrenten rechnet man mit mindestens 2500 Fr.

Branche hofft auf neue Anbieter

Eine Kooperation der Cablecom mit den EW komme auch aus grundsätzlichen Überlegungen nicht in Frage, so Nehmer. «Wir wollen das Netz selbst kontrollieren.» Das Beispiel der ADSL-Wiederverkäufer bei Swisscom zeige, dass es «dauerhaft nicht möglich» sei, «auf einem Netz, das man nicht kontrolliert, erfolgreichen Wettbewerb zu betreiben». Sollten in einigen Jahren dennoch Glasfaserlösungen nötig sein, werde Cablecom diese selbst realisieren.

Der Alleingang von Cablecom trifft die Elektrizitätswerke (EW) an einem wunden Punkt. Viele von ihnen sind derzeit daran oder planen, für Milliardenbeträge ein Glasfasernetz aufzubauen. Dieses wollen sie Firmen wie etwa Orange oder Sunrise öffnen, welche ihren Kunden Angebote unterbreiten. Da Cablecom als schweizweit aktive Partnerin wegfällt, wird es für die EW schwieriger, ihre Investitionen zu amortisieren. Aufgrund des Netzausbaus der Cablecom hat der Verband Openaxs damit gerechnet, dass Cablecom zumindest kurzfristig nicht an Bord kommt. Openaxs-Geschäftsführer Paolo Sebben hofft aber weiter: «Neue und innovative Player werden über die Jahre ihre Dienste dank der offenen Glasfaserinfrastruktur nutzen.»

EW mit schlechteren Karten

Sunrise-Kommunikationschef Dominique Reber betont, sein Unternehmen begrüsse es, dass die EW in diesem Bereich aktiv seien. Aber: «Es wird hart für sie, da Konkurrentin Swisscom, die ebenfalls ein Glasfasernetz baut, ihre Infrastruktur den Kunden direkt verkaufen kann.» Das sei ein Riesenvorteil. Bei Sunrise hat man diesen Vorteil berechnet: Swisscom kann gemäss dieser Prognose die Kosten für ihr Glasfasernetz rund doppelt so schnell wieder einspielen wie die EW. Konkret zahlt ein Kunde für einen Glasfaser-Hausanschluss pro Monat rund 110 Fr. Davon entfallen auf die EW nur 55 Fr., der Rest geht aufs Konto der Partner wie eben Orange oder Sunrise. Die Swisscom dagegen kann gemäss Sunrise-Prognose im Schnitt rund 97 Fr. pro Monat einnehmen - nämlich 110 Fr. bei ihren Kunden und ebenfalls die 55 Fr. bei einem Wiederverkauf des Angebots an Dritte.

Für die EW wird es kaum möglich sein, den Marktanteil auszuweiten - sie sind auf die Swisscom-Konkurrenten angewiesen, und die beherrschen gemäss dem Regulator im Breitbandgeschäft nur gerade rund 20% des Marktes. Und Reber sagt: «Wir gehen davon aus, dass Swisscom und Cablecom ihre Marktanteile mit aller Kraft verteidigen werden.»

Quelle: Handelszeitung - Homepage

anykey5'528 Beiträge
#2
Wenn die Cablecom hier nur nicht einen grossen Fehler macht.

schnuerbel1'837 Beiträge
#3
Einerseits kann ich den Entscheid der Cablecom aufgrund dem Berechnungsmodell nachvollziehen. Andererseits bin ich etwas zynisch, wenn es bei amerikanisch geführten Unternehmen um "Sustainability" (Nachhaltigkeit) geht: Weshalb sollte man langfristig in Infrastruktur investieren, wenn man nur die nächsten Quartalszahlen im Tunnelblick hat. Auch von diesem Gesichtspunkt her kann ich den Cablecom-Entscheid voll und ganz verstehen.

Vor diesem Hintergrund kann man nur hoffen, dass die Zukunft der Übertragungswege drahtlos sein wird. Aber derartig alternative Übertragungstechnologien, wie z.B. Wimax (welches ich in Moskau im regulären Betrieb erlebt habe) kommen ja dank der Elektrosmog-Lobby in der Schweiz nicht vom Fleck. Was wiederum auch nicht wirklich tragisch ist, denn die Wimax-Konzession in der Schweiz wurde ja ursprünglich an die Swisscom vergeben. Wäre also wahrscheinlich eh nur etwas gewesen für Leute, die monatlich einen 25-fränkigen Basisanschluss abdrücken.

Stellt sich also die Frage, wie weit die Schweiz im internationalen Vergleich der Breitbandanbindung zurückfallen will. In den nächsten zwei Jahren (bis 2012) soll das - glaubt man Cablecom - ja kein Problem sein.

anykey5'528 Beiträge
#4
Ich hab lieber Kabel (ob Swisscom, Cablecom, UPC oder Schiessmichtot ist mir egal, solange das Angebot stimmt) als Drahtlos. Nicht wegen der Strahlung, sondern einfach weil dann zum Beispiel die Fehlersuche viel einfacher ist.

Stimmt die Performance in einem WLAN-Netzwerk nicht, kann es am Upstream liegen, oder am WLAN, oder an der Mikrowelle, oder am Föhn, oder am Fernseher usw.

Als Ergänzung für Unterwegs oder mal auf dem Balkon finde ich WLAN oder 3G/Edge ganz toll, aber einen permanenten Internetanschluss würde ich darüber ungern betreiben wollen.

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