© Basler Zeitung; 25.04.2007; Seite 29
«Wir schalten in Basel zwölf Sender ab»
Cablecom macht Druck auf die Stiftung Kabelnetz Basel
franziska pfister, andreas mÖckli
Cablecom-Chef Rudolf Fischer geht davon aus, dass die Stiftung Kabelnetz Basel seinen Plänen zustimmt. Doch der Stiftungsrat gibt sich kämpferisch.
Die Basler Haushalte empfangen 59 TV-Sender über das Cablecom-Grundangebot › ein Drittel mehr als in der übrigen Schweiz. In fast allen Regionen hat die Netzbetreiberin Cablecom Sender rausgekippt, nur Basel und Allschwil blieben bislang verschont. Denn die Stadt verfügt über ein äusserst leistungsfähiges Kabel-TV-Netz. Die Cablecom hat bisher darüber geschwiegen, ob sie auch den Baslern Sender streichen will.
Erstmals äussert sich Cablecom-Chef Rudolf Fischer zu seiner Strategie in Basel: Zwölf Sender will er maximal bis Ende 2009 aus dem Basler Analog-Netz nehmen, kündigt er im Gespräch mit der baz an. 47 Kanäle würden dann noch verbleiben. Doch Sender einfach aus dem Angebot streichen, kann die Cablecom in Basel nicht. Dafür braucht sie die Zustimmung der Stiftung Kabelnetz Basel. Denn bis 2027 ist die Stiftung Eigentümerin des Basler Kabel-TV-Netzes.
gegenwehr. Der Stiftungsausschuss tagt am Donnerstag und berät den Vorschlag der Cablecom. Die schlägt vor, in einem ersten Schritt einen analogen, frei empfangbaren Sender zu streichen und stattdessen auf der gleichen Bandbreite zehn digitale, zusätzlich abonnierbare Sender aufzuschalten. Fischer erwartet «einen positiven Entscheid» des Ausschusses.
Doch die Stiftung sträubt sich gegen Streichungen. «Bis jetzt haben wir noch kein zufriedenstellendes Angebot von der Cablecom erhalten», sagt Samuel Hess, der die Interessen des Kantons im Stiftungsrat vertritt. Für die grosse Mehrheit der Stifungsräte seien die Angebote der Cablecom ungenügend gewesen. Abgestimmt habe der Rat daher über keinen.
«PAY-TV» ALS STANDARD. Die Cablecom wird nicht locker lassen. Sie hat viel Geld in ihr Digital-Angebot investiert und möchte das über neue Abonnenten wieder hereinholen. Die Firma versucht, über ihr Digital-Angebot «Pay-TV» hierzulande zum Standard zu machen. Um Platz für digitale Sender zu schaffen, will Fischer analoge Kanäle vom Netz nehmen. Für jeden wegfallenden Analog-Kanal könne die Cablecom zehn digitale aufschalten, argumentiert er.
«Wir haben dem Stiftungsrat angeboten, dass Basel zehn zusätzliche französischsprachige digitale Sender erhält», erklärt Fischer. In der Stadt und in Allschwil könnten dann 103 Sender im digitalen TV-Netz empfangen werden. Das sind zehn mehr als im Rest der Schweiz. Dennoch dürfte der Vorschlag den Unmut der Konsumenten schüren.
aufpreis. Die Kunden begehren auf: Sie wollen nicht mehr für ein grösseres Senderangebot zahlen als sie bisher hatten. Viele möchten lieber die gleiche Zahl an Sendern, dafür in digitaler Qualität › und zum gleichen Preis: 26.60 Franken im Monat. Für das günstigste Digitalangebot müssen sie 6 Fr. zusätzlich zahlen. So viel kostet die Miete einer Settop-Box, die zum Empfang digitaler Sender nötig ist.
Ein abgespecktes Digitalangebot kommt aber für die Cablecom nicht in Frage. Seine Firma stehe im Wettbewerb und müsse mit den Angeboten der Konkurrenz, vor allem der Swisscom, mithalten. Sonst sei sie in fünf Jahren «weg vom Fenster», sagt Fischer.
Die Cablecom sei aber bereit, das Digitalangebot in Basel grosszügiger auszugestalten als im Rest der Schweiz. Doch dafür müsse Platz geschaffen werden, indem Sender im analogen Netz abgeschaltet werden. «Wenn wir keinen Platz schaffen, können wir die TV-Angebote der Zukunft nicht übertragen», argumentiert der Konzernchef. Konkret droht er, die Cablecom werde in Basel die Euro 08 nicht in der höheren Bildauflösung «High Definition» verbreiten.
nachbessern. Der Stiftungsrat wolle sich dem technischen Fortschritt nicht in den Weg stellen, sagt Hess vom Stiftungsrat. Irgendwann würden alle Kanäle digital übertragen, das sei ihnen auch bewusst. Während der Übergangsphase sollen in Basel aber nach dem Willen der Stiftung möglichst viele Sender analog verfügbar bleiben. Der Stiftungsrat erwartet neue Vorschläge der Cablecom. Bessert die Cablecom ihr Angebot nicht auf, sieht es zurzeit danach aus, als ob sich am Basler Senderangebot vorläufig nichts ändert.





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