Schweizer bleiben draussen
Deutsche und Österreicher freuen sich nächstes Jahr über zehn HD -TV-Sender
Von Kurt Haupt
Bald können die Deutschen unter zehn hochauflösenden TV-Kanälen wählen. Zu den bewährten Sendern Arte und Anixe HD kam im Herbst Servus TV dazu. Seit 1. November können unsere Nach- barn auch die Privatsender RTL und Vox in HD -Qualität geniessen; im Januar kommen Sat 1, Pro7 und Kabel Eins dazu, und im Februar starten ARD und ZDF. Auch Österreicher können in bester Qualität fernsehen. Seit 2008 sendet ORF 1 und seit 5. Dezember auch ORF 2 in HD -Qualität.
Nur in der Schweiz stagniert das Angebot. Dabei war die Begeisterung über den hochauflösenden TV-Sender HD Suisse einst riesig. Als einer der ersten Landessender zeigte das Schweizer Fernsehen bei der Lancierung vor zwei Jahren, welch flimmerfreie Bildqualität hochauflösendes TV (HD-TV) bieten kann. Bei Spielfilmen werden mit 5.1-Kinokanalton auch noch die Ohren verwöhnt. Um den neuen Fernsehkanal ohne zusätzliche Abokosten zu geniessen, installierten viele den dazu nötigen Satellitenempfänger. Inzwischen erhält man HD Suisse auch via Cablecom und Swisscom TV.
Die Euphorie ist verflogen. Heute dient der Kanal als Einschlafhilfe, wenn man zum x-ten Mal stundenlange Flugaufnahmen über die Schweiz erdulden muss. Aufregung herrscht höchstens, wenn Sportsendungen von SF 2 parallel auf HD Suisse übertragen werden. Spielfilme sind Mangelware. Während ARD und ZDF über die Weihnachtstage im Testbetrieb Zuschauer mit Topkino locken, tröstet SF die Schweizer mit einer Dreifachstaffel «Dr. House». Bei SF wartet man bis 2011 auf ein HD -Vollprogramm.
Swisscom TV prüft Aufnahme der neuen HD -Sender
Auf die helvetische HD -Wüste angesprochen, erklärte HD -Suisse-Mediensprecher Peter Kaufmann: «Es wird nicht gemogelt wie bei deutschen Privatsendern, die viele in Standardauflösung produzierte Programme einfach in HD ausstrahlen, was wenig Qualitätsverbesserung bringt.» HD Suisse sei mit fünf Stunden Programm führend. Zudem sei die Umstellung hierzulande komplexer, weil man alle Sprachregionen bedienen wolle. Kaufmann weiter: «Wir starten mit den regulären HD -Programmen später als Deutschland und Österreich, weil SF dann 50 bis 60 Prozent der Sendungen auch in HD produzieren kann.»
Ob die neuen ausländischen Sender auch in die Kabel von Swisscom und Cablecom eingespeist werdellen, ist ungewiss. Zur- zeit sind via Kabel im Basispaket neben HD Suisse nur Arte, Anixe und BBC hochauflösend zu sehen. Weder Cablecom noch Swisscom machen klare Aussagen darüber, welche Kanäle wann in das Angebot aufgenommen werden.
Bisher fehlen sowohl die HD +-Kanäle aus Deutschland als auch ORF HD . Dazu Olaf Schulze von Swisscom: «Swisscom TV prüft eine Angebotserweiterung mit neuen HD -Sendern. Eine mögliche Einführung ist für das 1. Halbjahr 2010 vorgesehen.» Ähnlich unbestimmt äussert sich Cablecom-Sprecherin Deborah Bucher: «Cablecom befindet sich mit all den erwähnten Sendern
im Gespräch. Fest steht, dass wir ARD und ZDF HD ab Februar 2010 aufschalten werden.»
Die Satellitenschüssel hilft nur bedingt weiter. Problemlos ist Arte HD . Dort wird neben viel Dokumentation und Hintergrund europäisches Filmschaffen unverschlüsselt per Satellit übertragen. Frei empfangbar sind auch die Privatsender Anixe HD und Servus TV HD , welche über die gängigen Satellitenpositionen Hotbird und Astra zu empfangen sind. Mit Glück kriegt man auch BBC HD auf die Empfangsschüssel. Für ORF baucht es aber eine in der Schweiz nicht erhältliche Schlüsselkarte. Auch die Privatsender von RTL bis Vox sind in HD via Satellit nicht ohne weiteres zu sehen. Für sie braucht es einen HD +-Satellitenempfänger mit passender Schlüsselkarte.
Wer in Deutschland einkauft, kriegt die Schlüsselkarte gratis
«Leider dürfen wir in der Schweiz keine HD +-Empfänger mit dazugehöriger Schlüsselkarte verkaufen», sagt Bernhard Wenger von Schweizer Satellitentechnik-Distributor Belsat - und bringt so das Problem bei ausländischen HD -Sendern auf den Punkt. Die werden nämlich verschlüsselt ausgestrahlt. Satellitenempfänger für HD + sind zwar in der Schweiz käuflich, allerdings ohne ebenfalls nötige Karte. Wer stattdessen in Deutschland einkauft, kriegt die Schlüsselkarte gratis dazugepackt. Grenznahe Discounter bieten Pakete für HD + bereits ab 190 Euro an. Nach einem Jahr sind dann aber 50 Euro für die Freischaltung für weitere 12 Monate fällig.
HD + hat in Deutschland aber auch viele Kritiker. Insbesondere wird bemängelt, dass man mit Sat-Recordern zwar digitale Aufnahmen von HD +-Sendungen machen kann, sich beim Abspielen von aufgenommenen Sendungen die Werbung aber nicht mehr überspringen lässt.
Publiziert am 06.12.2009
Quelle: SonntagsZeitung | Artikel Detailseite





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